Eine aufregende und lehrreiche Zeit

– Turbulentes Praktikum in Holland absolviert –

Waldniel/Venlo (sp). „Es war total interessant, in Holland ins Arbeitsleben hinein zu schnuppern. Dort gibt es keine Hierarchie, alle begegnen sich auf Augenhöhe – ganz anders als in Deutschland“, beschreibt Marie Sutter, Schülerin des Berufskolleg des Kreises Viersen, ihr Auslandpraktikum von Ende Juli begeistert.

Zunächst hatte sie die Realschule besucht, habe sich jedoch von Anfang an das Abitur zum Ziel gesetzt. „Da ich mit dem Wechsel in die Oberstufe nicht in eine bestehende Gemeinschaft eindringen wollte, habe ich mich für das Wirtschaftsgymnasium in Dülken entschieden.“ In ihrem schulischen Umfeld probiere sie alles aus und schnuppere überall hinein. „Ich weiß noch nicht, was ich später machen möchte. Ich finde, man sollte alles mal testen. Dann weiß man ziemlich genau, womit man es zu tun hat oder bekommt zumindest eine gewisse Ahnung davon.“

An ihrer Schule hatte die euregio rhein-maas-nord ihr Projekt euregio-Xperience, ein Auslandspraktikum, präsentiert. Diese tritt als Ansprechpartner für die Bürger und Unternehmen in der Region Noord- und Midden-Limburg, in Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld, im südlichen Kreis Kleve, im Kreis Viersen und im Rhein-Kreis Neuss auf. Einer der Dülkener Gymnasiallehrer arbeitet eng mit der euregio zusammen. Bei rund 20 Firmen habe er um einen Platz für die 16-jährige Gymnasiastin geworben.

Es handelt sich um ein neues Projekt. Für mich war es genau das Richtige: ich habe fünf Jahre lang mit viel Spaß Niederländisch an der Realschule gelernt und mache jedes Jahr in Holland Urlaub“, berichtet Marie begeistert. Die Sprache beherrsche sie im Schlaf. „Es hagelte viele Absagen. Die Bewerbungen haben wir zur Weihnachtszeit los geschickt, und zu Ostern bekam ich endlich die Zusage von der Stadtverwaltung Venlo, mein ein ein halb wöchiges Praktikum dort absolvieren zu dürfen. Da habe ich mich natürlich sehr gefreut.“

Was reizte Marie, neben der Sprache, noch daran, ein Praktikum in Holland zu machen? „Ich wollte einfach nicht das machen, was alle machen – zum Beispiel in eine Bank hinein schnuppern. Ich wollte auf diese Art meinen persönlichen Horizont erweitern.“ Problematisch sei zunächst die Dauer des Praktikums gewesen. „In Deutschland kann man sich die Zeitspanne selbst aussuchen, in Holland ist das nicht möglich. Da verpflichtet man sich für ein paar Monate oder ein halbes Jahr“, weiß Marie. In Holland gehöre es als grundlegende Aufgabe zum Praktikum, eine Evaluation der „Kommunikationsstruktur“, innerhalb der Firma, zu erstellen. „Es müssen Arbeitsmittel und das erlernte Wissen genutzt werden, um diese Aufgabe zu lösen. Und das ist recht aufwändig. Außerdem haben die meisten betreuenden Begleiter im Praktikum keine Zeit für intensiv komprimierte Einarbeitung.“

Am ersten Tag ihrer aufregenden Zeit in Holland habe man sie an die Fachsprache innerhalb der Gemeindetätigkeit heran geführt und ab dem zweiten Tag sei es denn sehr turbulent geworden. „Das Hauptthema des Praktikums lautete „Menschen vernetzen“. Man hat mich in Abläufe, Struktur und die Ziele der Gemeinde eingeführt. Ich erlebte besonderen Teamgeist und lernte als Wirtschaftsgymnasiastin die Arbeit in der Finanzabteilung im Besonderen kennen.“ Auch in den Kundenservice und die Programmierung schnupperte sie unter anderem hinein. Marie lacht. „Außerdem folgte tagtäglich ein Meeting nach dem anderen. Ständig wurde konferiert und getagt. Einmal hatte meine Begleiterin keine Zeit, da war ich, gemeinsam mit einem Kollegen, den ganzen Tag mit dem Fahrrad zu Treffen und Meetings unterwegs. Nur an so genannten geheimen Meetings durfte ich natürlich generell nicht teilnehmen.“ So sei sie täglich zu unterschiedlichen Zeiten, je nach Terminierung der Meetings, mit dem Zug nach Holland gereist und habe an jedem Arbeitstag rund 50 neuen Leuten die Hand geschüttelt.

Auch einer Ratssitzung, bei der alle Parteien zugegen waren, habe sie beigewohnt. „Das war sehr spannend, weil es auch sehr turbulent und emotional ablief.“ Was hat der Waldnielerin an ihrem Praktikum besonders gut gefallen? „Besonders beeindruckt hat mich, dass sich die Holländer alle duzen. Vom Angestellten über den Vorgesetzten bis zum Bürgermeister, den ich übrigens auch kennen gelernt habe. Eine Hierarchie gibt es in Holland nicht. Alle behandeln sich verständnisvoll und kommunizieren auf Augenhöhe. Das vereinfacht auch die Arbeitsabläufe, weil alles menschlicher und unkomplizierter wirkt.“ Auch dies sei ein Grund, warum sich Marie gut vorstellen könne, demnächst in Holland beruflich Fuß zu fassen.

Was für eine aufregende und lehrreiche Zeit!“, resümiert die Gymnasiastin, die im Einzelhandel jobbt, in ihrer Freizeit gerne mit ihrem Hund Reiko spazieren geht und sich natürlich mit Freunden trifft, spontan und fügt lächelnd hinzu: „Ich kann nur jedem empfehlen, so viele Fremdsprachen wie möglich zu lernen. Das öffnet Tür und Tor.“

 

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Marie freut sich über ihre besonderen Erfahrungen im Auslandspraktikum.

Foto: Susanne Peters

 

S. Peters

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