„Für Demokratie – gegen Rechts“

– Im Februar 2017 wurde das Nettetaler Bündnis „Für Demokratie – gegen Rechts“ gegründet. Kürzlich gab es die erste Versammlung für den Kreis Viersen, an der viele Interessierte teilnahmen. –

Schaag (sp). „Vor rund drei Monaten kamen wir auf den Gedanken, unbedingt etwas tun zu müssen. Wir wollen uns nicht weiter ärgern, sondern de facto reagieren“, so lautet der einhellige Tenor bei der Versammlung im Schaager Braukeller. „Deshalb haben wir spontan das Nettetaler Bündnis für Demokratie gegen Rechts gegründet, um sowohl dem Rechtspopulismus, als auch dem allgemeinen Rassismus etwas entgegen zu setzen.“   

„Argumente gegen Stammtischparolen“

Rund 25 Menschen aus dem Kreis Viersen gehören dem Bündnis an, alle sind zum Thema des Abends „Argumente gegen Stammtischparolen“ erschienen sowie rund 40 weitere Interessierte. Dabei ging es unter anderem um Sprüche wie „Die Asylanten nehmen uns Arbeitsplätze weg!“, „Ausländer sind kriminell“ sowie weitere vielfältige rassistische Äußerungen. „Der Rechtsdruck hat uns Angst gemacht“, sagte eine Frau. „Sich zu ärgern, anstatt etwas zu tun, das wollten wir so nicht länger hinnehmen“, erklärte ein anderes Bündnismitglied, „wir wollen uns wehren, wenn ein Angriff kommt und haben uns überlegt, was wir für unsere Demokratie tun können, um rechtspopulistische Tendenzen abzuwehren.“

Hier meldete sich Professor Klaus-Peter Hufer von der Universität Duisburg-Essen zu Wort, der sich als Politologe und Erwachsenenbildner argumentativ und publizistisch mit Stammtischparolen auseinander setzt. Gemeinsam mit den Teilnehmern der Versammlung überlegte und besprach er, was jeder entgegen setzen kann, und erläuterte Fallbeispiele. Er betonte, dass der Begriff „Vorurteil“ nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sei. Jeder habe Vorurteile und ohne positive Vorurteile könne der Mensch nicht handeln.

Mit Hetze umgehen

„Ich meine auch nicht die lapidaren Sprüche, die in der Kneipe beim Bier zum Besten gegeben werden“, insistierte er. „Es geht um die persönlichen Vorurteile und Hetzen, die uns im Alltag begegnen, wie beim Bäcker oder beim Einkaufen. Was können wir denen entgegen enthalten?“ So habe ihm zum Beispiel kürzlich ein Wissenschaftler, der sich selbst weitläufig mit dem Thema Rechtsradikalität befasse, über ein Erlebnis informiert, das ihn selbst überfordert habe. Zwei junge Frauen hatten unter einander deutlich vernehmlich rassistisch gehetzt. Schließlich habe der entsetzte, unfreiwillige Zuhörer den beiden Mädchen „gratuliert“: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen Preis im dumm Schwätzen gewonnen!“ Der Politologe empfahl: „Sich nicht ärgern, sondern sich etwas überlegen und sagen, auch wenn es nicht leicht ist. Mutig sein müsse natürlich jeder für sich selber.“ Ein Zuhörer pflichtet ihm bei: „Irgend etwas sagen ist besser als gar nichts tun.“

Aber es geht doch auch anders. Gemeinsam mit den Anwesenden spielt Hufer durch, was jeder Mensch geschickt den Attacken und Beschimpfungen im Alltag entgegen halten kann. Ein weiteres Beispiel für eine Attacke war das einer Frau im Rollstuhl, die von zwei jungen Männern angepöbelt worden war: „Dich hat man wohl in Auschwitz vergessen!“ Ein Raunen des Entsetzens ging durch die Zuhörerschaft im Alten Braukeller und dann wurde es sehr still. „Wir leben in einer Zuschauergesellschaft. An dieser Stelle, kann man sich als Unbeteiligter einfach neben die Frau stellen, um von ihr abzulenken“, schlägt Hufer vor.

Nicht persönlich angreifen

Ein weiterer Schwerpunkt war der unreflektierte Umgang mit den neuen Medien: „Immer mehr Menschen informieren sich ausschließlich in den Communities der sozialen Netzwerke. Algorithmen sorgen für die passenden Infos. Es vermischen sich Halbwahrheiten mit Wahrheiten. Das ist gefährlich.“ Am Ende einer sehr lehrreichen und kurzweiligen Veranstaltung stand eine wesentliche Erkenntnis: „Wir sollten uns wehren und uns einmischen. Aber nicht den Hetzer persönlich angreifen und ihn runter machen, sondern ihm ausschließlich das Inakzeptable seiner Botschaft vor Augen führen.“

Eine Website des Nettetaler Bündnis ist aktuell im Aufbau. Weitere Informationen: NettetalerBuendnis@gmail.com

 Text und Fotos: Susanne Peters

S. Peters

Ich stehe für zeitnahe Berichterstattung - regional stark, kompetent, informativ, mit Herz.

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