Der Buchtipp zum Welttag des Buches

Von Susanne Peters

– „Das Zimmer“ von Jonas Karlsson –

Vielleicht ist es gerade die Schlichtheit des Titels „Das Zimmer“ (Luchterhand Verlag), die zunächst meine Neugier weckt. In der Vorstellung ist ein Zimmer ein geometrischer Raum, der erst durch Menschen mit Leben gefüllt wird. „Der moderne Mensch im Hamsterrad und seine Suche nach Glück“ kündigt die Rückseite des Buch-Covers in Fortsetzung an.

Als ich beginne zu lesen, dominiert von der ersten Seite an etwas ganz anderes mein Empfinden. Das liegt sicherlich auch in der subjektiven Erzählweise der Ich-Form begründet. So scheint sich der Protagonist in seiner Wahrnehmung, was seine Umgebung sowie die Menschen in ihr betrifft, tagtäglich in einer gnadenlosen Bewertung, gefühlt bis zur Schmerzgrenze, zu verlieren. Es scheint, als taktet auch Björns Perzeption wie der im Roman häufiger erwähnte Drucker in einem Großraumbüro, ist also permanent in Betrieb und spuckt aus. Die ausgegebenen Informationen jedoch erwecken den Anschein, weit davon entfernt zu sein, ein Höchstmaß an Objektivität wider zu spiegeln. Dies erscheint bisweilen eindrucksvoll kafkaesk. Folglich beschleicht den Leser nach kurzer Zeit das Gefühl, die Figur könne wahnhaft sein. Ihre Perspektive wirkt auffällig begrenzt, im Vordergrund steht allein die erzählende und permanent zwanghaft wertende und strukturierende Stimme im Kopfe Björns. So offenbart sich ebenfalls früh, dass die Darstellung des Erzählers mit der Perspektive seiner Kollegen keineswegs im Einklang ist. Dies dokumentiert sich in Kleinigkeiten, vor allem aber in der scheinbar fragwürdigen Existenz des mysteriösen Zimmers. Björn beschreibt unmissverständlich, dass und wie er dorthin immer wieder Rückzug sucht, um sich in die Stille und Klarheit des idealen Büros zu versenken. Für die Gesamtheit seiner Kollegen jedoch bleibt der Raum währenddessen scheinbar nur eins: nicht existent.

Worum geht hier? Gestörte Wahrnehmung oder Psychokrieg und Mobbing? Das Ende der mitreißenden Psychostudie ist brillant. Es sei nicht vorweg genommen.

S. Peters

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