Libellen: Die Teufelsnadel des Mittelalters

– Herz über Kopf –

Von Susanne Peters

Sämtliche Eiszeiten und Kometeneinschläge konnten ihnen nichts anhaben. Sie sahen die Dinosaurier kommen und gehen. Seit rund 100 Millionen Jahren haben sie sich kaum verändert, nur ihre Körpergröße hat ein wenig abgenommen.

Die Rede ist von den farbenprächtigen Libellen, die bereits vor 300 Millionen Jahren ihre Kreise auf Erden zogen und damit zu den ältesten Tierarten der Welt gehören. In Deutschland leben 79 verschiedene Libellenarten, unterteilt in Kleinlibellen (auseinander stehende Augen und gleiche Flügelpaare) sowie Großlibellen (zusammen stehende Augen und zwei unterschiedliche Flügelpaare). Aus rund 7.000 Einzelaugen die Klomplexaugen der Kleinlibelle. Bei den Großlibellen sind es sogar 30.000 an der Zahl. Dies ermöglicht ihnen, Bewegungen sechsmal schneller als der Mensch wahrzunehmen. Außerdem variieren sie auch in Färbung, Form, Muster und Verhalten. Einige Libellen sind neugierig und taxieren ihr Umfeld genau, andere gehen lieber auf Distanz.

Die Menschen des Mittelalters hatten der Libelle den Namen Teufelsnadel gegeben – sie fürchteten sich vor dem Insekt, im Irrglauben, es könne stechen. Tatsächlich jedoch besitzen Libellen nur einen stumpfen Stachel für die Eiablage, da sie sich nicht verteidigen müssen. 

Denn mit fast 50 Kilometern pro Stunde sind sie die schnellsten Insekten der Welt. Sie jagen Mücken und andere Insekten, mit ihren Beinen, die einen Fangkorb bilden. Sogar rückwärts fliegen können sie fliegen und präsentieren dabei atemberaubende Wendemanöver. Deshalb stellen Vögel keine natürlichen Feinde dar – sie kommen bei dem Tempo und der Wendigkeit einfach nicht mit.

Besonders fallen die Farbtracht sowie die in der Sonne schimmernden Flügel der Libellen ins Auge, die in einer beeindruckenden Vielzahl, auch bei uns am Niederrhein, beheimatet sind. Jede Libelle hat ein eigenes Flügelmuster, das einzigartig wie ein Fingerabdruck ist. Wenn sie sich jedoch setzt, verschmelzt das elegant anmutende Insekt mit seiner Umgebung, so dass es kaum noch wahrnehmbar ist.

Libellen dürfen weder gefangen noch getötet werden, denn ihre Art ist in Deutschland streng geschützt. Nichtsdestotrotz sind zwei Drittel aller Libellenarten gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Dies ist zum Einen dem Klimawandel geschuldet; aber auch ein sich ständig verändernder Lebensraum sowie Pestizide machen es für das wunderschöne Insekt immer komplizierter zu überleben.

Nach dem Schlüpfen lebt die Libelle ein paar Monate, längstens jedoch bis zu fünf Jahre, als Larve im Wasser. Ein stabiler Chitinpanzer schützt vor Fischen und anderen natürlichen Fressfeinden. Da der Panzer jedoch nicht konform zur Larve mit wächst, muss sich die Libelle über zehnmal häuten. Sobald sie ihre endgültige Größe erreicht hat, verlässt sie das Wasser und häutet sich ein letztes Mal. Ungefähr 14 Tage benötigt die Libelle dann bis zur vollendeten Geschlechtsreife. Anschließend hat sie vier bis sechs Wochen Zeit, einen passenden Partner zu finden, um den Bestand ihrer Art zu sichern.

Text und Fotos: Susanne Peters

Bild 1: Orange Federlibelle (Weibchen).

Bild 2: Kleine Moosjungfer (Männchen).

Bild 3: Pokaljungfer (Weibchen).

Bild 4: Gebänderte Prachtlibellen, Männchen (links) und Weibchen.

S. Peters

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