Die Wut der Menschen ist unerträglich


– Meinungsäußerung –

Im Gespräch mit einer Geschäftsführerin: „Warum lassen wir das zu?“ 

Interview von Susanne Jansen

„Es ist nicht zu fassen, ich bin total schockiert und enttäuscht!“, sagt Marion*, „und ich traue mich erst gar nicht, mit meinen Aussagen öffentlich in Erscheinung zu treten, weil ich Angst habe, dass uns die Scheiben eingeschlagen werden oder Schlimmeres passiert.“ Seit vielen Jahren arbeitet Marion, im Zuge der Coronaschutz Verordnung aktuell 2G Plus zugeordnet, sehr gerne in ihrem kleinen sauberen Studio, im Sport-, Fitness- und Wellnessbereich. Sie liebt den Umgang mit Menschen und berät jeden freundlich und individuell. Obendrein mag sie die offene niederrheinische Art von zu Mensch zu Mensch auf dem Lande. „Bis vor zwei Jahren war meine Welt hier in Ordnung!“

Regelchaos und zwischenmenschliches Debakel

Seit Anfang 2020 habe sich aus ihrer Sicht allerdings vieles sehr zum Nachteil verändert. „Ganz schlimm ist es geworden, seit wir die 2G Plus Regel haben. Hätte mir jemand das, bevor es mit Corona losging, erzählt, wie sich alles, auch zwischenmenschlich, entwickeln wird – ich hätte es nicht geglaubt“, sagt Marion traurig. „Wir haben uns immer wieder angepasst. Mehr Hygiene und Übersichtlichkeit geht nicht. Von unserer Seite aus herrscht immer ein freundlicher Umgangston. Die Leute wussten unseren besonderen Service immer zu schätzen. Seit man sich aber auch mit Impfung testen lassen muss, um unsere Dienste in Anspruch zu nehmen, ist der Ton häufig nicht nur rauer, sondern sogar richtig bösartig geworden! Es gibt Menschen, die benehmen sich plötzlich wie Dreijährige, wenn sie ihren Willen nicht bekommen, also, ohne Test das Studio nicht betreten dürfen. Es fehlt nur noch, dass sie sich auf den Rücken werfen, hysterisch heulen und mit den Beinen strampeln! Unglaublich! Ich bin sowas von enttäuscht!“

Viele offensichtlich unzufrieden

Viele Kunden kommen also ohne Test zu Marion, so erzählt sie, und laden ihre Aggressionen bei ihr und ihren Angestellten ab. „Sie beschimpfen uns, brüllen uns an und fordern eingelassen zu werden. Sie werden richtig frech! Ich habe die Gesetze doch nicht gemacht! Und ich habe ihnen auch nicht versprochen, dass sie ihre Freiheit zurückbekommen, wenn sie geimpft sind. Ich vermute, darum sind viele unzufrieden oder stocksauer.“ Aber ohne Test darf sie niemanden ins Studio lassen. „Ich halte mich nur an die Vorschriften. Das Gesundheitsamt kontrolliert obendrein tatsächlich zwischendurch. Einmal standen deren Mitarbeiter bei mir vor der Tür, um zu sehen, dass alles nach Vorschrift läuft. Wer dann nachgibt und eine Strafe aufgebrummt bekommt, der hat das selbst zu verantworten! Ich mache das nicht! Ich frage mich aber, warum alle anderen Unternehmen diesen ganzen Wahnsinn stillschweigend mitmachen. Können sie sich das leisten? Wir müssten doch einfach nur zusammen halten und zusammen klagen. Eine Klage könnte ich alleine mir nicht leisten!“

Gemecker an der falschen Stelle

Was Marion also vor allem bemängelt, ist der fehlende Zusammenhalt im Ort. „Wir sind doch hier in unserem Dorf eine Gemeinschaft von Einzelhändlern, Gastronomen und diversen Geschäftsleuten. Warum lassen alle alles mit sich machen? Wir müssten uns gegen diesen Wahnsinn wehren! Das betrifft doch genauso gut 2G im Einzelhandel: Ob jemand nun eng gedrängt im Discounter steht oder die Leute einzeln und übersichtlich in einen kleinen Laden gelassen werden – wie wird hier Gefahr definiert? Auch hier verstehe ich den Sinn von 2G als Maßnahme nicht, zumal die Einzelhändler Umsatzeinbußen von 25 Prozent zu beklagen haben! Wir selbst sollten vielmehr zusammenhalten. Und ich bin auch keine öffentliche Anlaufstelle für dieses ganze Gemecker! Zumal mir Kunden, die schließlich doch wieder zurückkamen, weil sie mit dem Service von Kollegen nicht zufrieden waren, erzählt haben, dass manche sie ohne Test empfangen. Das ist doch alles unfair!“

Gemeinsam wehren

„Meine Meinung ist, dass wir uns eigentlich alle zusammen gegen diesen Wahnsinn wehren müssten! Erst recht, weil die Intensivzahlen das alles doch gar nicht mehr rechtfertigen. Ich empfinde das alles nur noch als Schikane! Es kann nicht sein, dass mein kleines aber feines Studio, meine Herzensangelegenheit mit vielen Stammkunden, wegen diesem offensichtlichen politischen Chaos den Bach runter geht!“ Marion weiß nicht, wie lange sie ihren Betrieb noch aufrechterhalten kann. „Wir hatten in den letzten zwei Jahren so viele Einbußen, mussten immer wieder neu kalkulieren und finanziell jonglieren und uns anpassen. Wir haben alles gemacht. Ewig lange können wir das aber wirtschaftlich nicht mehr stemmen. Und es muss doch noch andere geben, die nicht einfach so in Kauf nehmen, dass ihre Existenz kaputt gemacht wird!“

*Marion: Zum Schutz der Person wurde der Name von der Redaktion geändert.

Die Redaktion von Nettetal aktuell (Medienagentur Niederrhein) weist an dieser Stelle explizit darauf hin, dass der Artikel ausschließlich die persönlichen Meinungsinhalte des geschützten Interviewpartners widerspiegelt. Es handelt sich nicht um Meinungsinhalte unserer Redaktion.

Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen, Foto: pixabay

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