Passionierter Meister seines Fachs

Kaldenkirchen (sp). Hans-Otto Jansen blickt auf eine beeindruckende sportliche Karriere zurück: Er wurde zweimal Deutscher Billardmeister, punktete als 14-facher Landesmeister im Billardverband Niederrhein, erhielt 66 mal den Kreismeistertitel in den Billardkreisen Linker Niederrhein, Krefeld, Düsseldorf, Essen und Duisburg – daraus gingen sechs Mannschaftsmeistertitel hervor. In sieben Vereinen war er Mitglied und seit dem Jahr 1971 ist er als Bundesligaspieler aktiv.

Durch den Vater seines Freundes, den Vereinswirt der „Ewigen Lampe“ auf der Hochstraße in Lobberich (Willi Kreuels), entdeckte Hans-Otto Jansen als 13-Jähriger seine Leidenschaft für den Billardsport, die bis heute andauert. Nur zehn Monate später gewann er seine erste Meisterschaft. „Die Lobbericher Billardfreunde 1937 trainierten dort regelmäßig“, berichtet er lächelnd, „und am 18. Januar 1962, ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag, kam ich selbst aktiv zum Billardsport.“ Die Kneipe sei recht lang gezogen gewesen. In der hintersten Ecke habe ein Billardtisch gestanden, der nur von den Billardfreunden bespielt wurde. „Anfangs mussten wir Jugendlichen noch fragen, ob wir spielen dürfen“, erinnert er sich. „Ich habe dort oft alleine trainiert. Es war irgendwie kurios: Viele Gäste waren währenddessen in der Kneipe und haben mich während des Essens beobachtet. Das hat mich jedoch nie nervös gemacht, sondern sogar auf die spätere Turnieratmosphäre vorbereitet.“

Im zarten Alter von 14 Jahren gewann der Kaldenkirchener, dessen Herz auch immer noch für seine ehemalige Heimat Lobberich schlägt, also seine erste Meisterschaft und erzählt versonnen: „Ich präsentierte dort stolz das Lobbericher Stadtwappen auf meiner vom Schneider angefertigten Seidenweste, die zu unserer Spielerkluft gehörte.“ Grundsätzlich habe er es seinem Vater zu verdanken, dass er so stabil und mit viel Freude habe seine Karriere starten können. „Das ist mir sehr bewusst. Er ist dafür verantwortlich, dass ich im Folgenden eine so schöne und auch sehr erfolgreiche Zeit im Billardsport hatte“, stellt er dankbar fest. „Ich war 16, als er mir von den großen Billardsälen in der Stadt erzählte. Er selbst war nie Billardspieler, fand diese Sportart aber sehr faszinierend.“ So machten sich der junge Hans-Otto und sein Vater eines Tages kurzum auf den Weg nach Düsseldorf, um die Spielatmosphäre in der Großstadt für sich zu entdecken.

„Wir fuhren mit Bus und Bahn. Ein Auto hatten wir damals noch nicht“, schildert der passionierte Billardspieler und schwärmt: „In Düsseldorf fanden wir einen großen Billardsaal vor, der zufällig auch noch einem der besten deutschen Spieler aller Zeiten gehörte. Das war Siegfried Spielmann.“ Dort seien mehrfache Deutsche Meister ein und aus gegangen, „und plötzlich fand ich mich in einer überwältigen und faszinierenden Billardwelt wieder und wurde selbst ein Teil davon“, formuliert der 67-Jährige noch heute fasziniert.

An jenem Tag sei das großartige Talent Spielmann tatsächlich vor Ort gewesen und habe sogleich das ebenso außergewöhnliche Talent des jungen Nettetalers erkannt. „Er bot meinem Vater sofort an, mich das Spiel richtig zu lehren“, beschreibt er. „Für die nötige Ruhe zum Training, also vier bis fünf Stunden, sei Sonntag der beste Tag“, so habe der Profi vorgeschlagen. Jeden Sonntag diese Zeit zu investieren, sei seinem Vater verständlicherweise zu viel gewesen. „Es wurde ein monatliches Training vereinbart, das mich in kürzester Zeit richtig weit nach vorne brachte“, fügt Jansen lächelnd hinzu. So haben die ersten Fortschritte in der Tat nicht lange auf sich warten lassen, und sein Ruf als brillanter Nachwuchsspieler eilte ihm alsbald in der Branche voraus.

„Die ersten größeren Turniere führten uns nach Regensburg, Baden-Baden und zum Saarland, natürlich per Bus und Bahn“, zählt er auf und bedauert, „lebende Zeitzeugen dieser frühen Billardkarriere gibt es bei den Billardfreunden Lobberich nicht mehr, bis auf einen, den heutigen Ehrenvorsitzenden der Billardfreunde 1937, Hans Hönke, der dem Verein seit 1963 angehört.“

Viele Bundesligajahre, Landesmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften seien gefolgt, so berichtet Jansen versonnen. „Heute noch, als Mitglied der Billardfreunde Königshof in Krefeld, kam ich im Frühjahr zu einigen Bundesligaeinsätzen.“ Selbst im Mathematikunterricht des Werner-Jaeger-Gymnasiums habe er seinen Lieblingssport einmal aktiv vorgestellt, um unterhaltsam praktische Lösungsstrategien in der Anwendung der Geometrie zu dokumentieren.

Mit glänzenden Augen betont er: „Vielleicht geht es ohne Stress noch ein bisschen spielerisch weiter, so lange mir die Freude an diesem schönen Sport erhalten bleibt.“

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Kreisjugendtrainer Theo Vank (links) gratuliert Hans-Otto Jansen (Mitte) zum Gewinn seiner ersten Meisterschaft (Kreisjugendmeisterschaft Klasse B) und Karl Peters zum Sieg in der Kreisjugendmeisterschaft Klasse A. Foto: privat

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Hans-Otto Jansen in seinem heimischen Keller: Bis heute ist seine Faszination für den Billardsport ungebrochen. Foto: Susanne Peters

S. Peters

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