„Wie man trainiert, so spielt man“

– Sportmedizinische Versorgung: Früher, heute, morgen –

Lobberich (sp). Zu einem interessanten Symposium mit dem Titel „Sportmedizin und Sportorthopädie“ hatte das Nettetaler Krankenhaus in die Werner-Jaeger-Halle eingeladen. Auch Bürgermeister Christian Wagner (Kurationsvorstand) und Jochem Dohmen, als Vertreter der Sparkassenförderung, waren zu Gast. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion unter Fachärzten, die außerdem mit einem ganz besonderen Gast aufwartete: Fußballlegende Josef („Jupp“) Heynckes bereicherte die eloquente Gesprächsrunde aus Fachärzten durch praktische Beispiele aus seiner Laufbahn als Profifußballer und Trainer. Der ehemalige Profispieler und Trainer erzielte in seiner Karriere mehr Siege in der Deutschen Bundesliga als jeder andere. In den 70er Jahren gewann er als Spieler mit Borussia Mönchengladbach vier Deutsche Meisterschaften, den DFB- und den UEFA-Pokal, wurde Europa- und Weltmeister.

Damit es lockerer wird, haben wir Stehtische aufgestellt, wir wollen uns nicht fühlen, wie bei einer trockenen Talkshow aus dem Fernsehen“, begann Dr. Enno Steinheisser schmunzelnd. Von Heynckes wollte er wissen, wie die sportmedizinische Betreuung aus Sicht eines sehr guten Fußballers und Trainers mit einem unglaublichen Erfahrungsschatz aussehe. Auch der Fußball habe sich weiter entwickelt, antwortete der ehemalige Profifußballer, „heute wird schneller, intensiver und umfangreicher gespielt. In meiner Trainerzeit in Spanien zum Beispiel waren im Club Mediziner angestellt. Wenn man aber als Mediziner im Krankenhaus angestellt ist, hat man mit vielen verschiedenen Verletzungen zu tun und folglich viel mehr Erfahrung.“ Bei Bayern München habe man sich innerhalb des Vereins immer kurz geschlossen und bei Verletzungen intensiv nachbehandelt.

Es ist vor allem wichtig, dass der Sportler sich wohl fühlt“, insistiert der ehemalige Trainer zahlreicher Vereine in Deutschland, Spanien sowie Portugal. „Ich habe zum Beispiel Franck Ribéry an die Physiotherapie und an professionelle Ernährungspläne heran geführt, um ihn erfolgreich an die Weltspitze zu bringen.“ Auch Dr. Stefan Hertl (Mannschaftsarzt, Borussia Mönchengladbach) ist überzeugt: „Wenn man die gesamte Entwicklung sieht, den ganzen Tag, sieben Tage die Woche, dann ist der Fußball heute, mitsamt seiner kompletten Betreuung enorm fortgeschritten.“ Zu Unterschieden zwischen Leistungs- und Amateursport meint Triathlet Dr. Jan Marin: „Leistungssport versucht die ganze Zeit in der Freizeit die eigenen Grenzen auszureizen, Schmerzen werden ignoriert. Daraus resultieren womöglich größere Probleme, denn die Signale des Körpers haben ihren Sinn.“

Beim Profisport werde eine große physische Leistungsfähigkeit voraus gesetzt, so auch Heynckes, in den Fußballclubs gebe es jedoch große Unterschiede. „So wie man sich bettet so fällt man. Woraus folgt: wie man trainiert, so spielt man. In meinem letzten Jahr in meiner Amtszeit in Bayern München, im Jahr des Trippels, haben wir wahnsinnig intensiv trainiert.“ Die Laufleistung jedoch könne nicht am Umfang der Kilometerzahl gemessen werden. „Die Fußballer müssen lernen, sich zu entwickeln und sich selbstkritisch zu hinterfragen.“ In seiner eigenen Laufbahn als Profifußballer habe er Trainer gehabt, die äußerst rücksichtslos vorgegangen seien. „Da habe ich mir geschworen, das machst Du nicht. Statt den Spieler wieder so schnell wie möglich aufs Feld zu bringen, ist Regeneration wichtig“, betont er. Dieser Überzeugung ist auch Dr. Thomas Stock (Mannschaftsarzt der Kölner Haie): „Wenn zwischen Trainer und Spieler die Kommunikation in Ordnung ist und Vertrauen da ist, gehen die Verletzungen deutlich runter.“

Zu den Unterschieden zwischen Leistungs- und Amateursport meint Jan Marin: „In Amateurvereinen gibt es keine gesellschaftlichen Anreize, dort wird nur Geld verbrannt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Menschen sich fühlen wollen. Viele kennen ihre Grenze nicht und ignorieren ihre ein notwendiges Signal – ihre Schmerzreize.“

Steinheisser stellte abschließend fest: „Ich denke, wir haben alle verstanden, dass die Medizin nicht nur an den Sportler, sondern an die Sportart selbst angepasst werden muss.“

Fotos: Susanne Peters

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Fußballlegende Jupp Heynkes gab wertvolle Tipps und nahm sich auch Zeit für seine Fans. Foto: Susanne Peters

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In lockerer Gesprächsrunde über den Profifußball austauschen. Foto: Susanne Peters

S. Peters

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