Atemberaubende Kulisse und intensives Fahrgefühl

– Von Torsten Jansen –

Brühl. „Das ist Weltklasse“, war ein vielfaches Zitat in den sozialen Medien aus den vergangenen Wochen bezüglich der bereits veröffentlichen Bilder und Videos von Klugheim, dem neuen mystischen Themenbereich im Phantasialand. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die Thematisierung und das Fahrvergnügen der neuen Achterbahnen Taron und Raik. Erste Stimmen nach der Eröffnung wie „das Phantasialand hat sich selbst übertroffen“ oder „Taron ist jetzt die beste Bahn im Park“ beweisen, dass die sehr hohen Erwartungen restlos erfüllt wurden.

Für die detailverliebte Themenwelt Klugheim wurde 2014 die Westernstadt Silver City inkl. der Themenfahrt Silbermine abgerissen, um den notwendigen Platz zu schaffen. Durch das Designerteam um Helder Lopez entstand eine atemberaubende Basaltfelsenlandschaft, die an Kulissen aus „Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ erinnert. Sie ist nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern bildet auch gleichzeitig einen Schallschutz zur Nachbarschaft. Bereits bei der Umgebungsgestaltung von Chiapas haben Helder Lopez und sein Team herausragende Arbeit geleistet, so dass sie die perfekte Besetzung für den gigantischen Aufbau von Klugheim waren.

Absolutes Highlight in Klugheim ist Taron, der Multi-Launch-Coaster (Blitz-Coaster) der Lichtensteiner Achterbahnschmiede Intamin, von denen auch die Wasserbahn Chiapas stammt. Gleich zweimal wird der Zug mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde intensiv beschleunigt, beim Start aus dem Stand und bei der zweiten Beschleunigung aus der Fahrt heraus. Besonders die zweite Beschleunigung kann die Fahrgäste restlos begeistern. Vier Wagen bilden einen Zug, wobei in Zweierreihen jeweils vier Personen in einem Wagen sitzen und somit jeweils 16 Fahrgäste pro Zug durch Klugheim rasen. Der Abschuss ist vergleichbar mit dem von „Karacho“ in Tripsdrill oder dem vom „Fluch von Novgorod“ im Hansa Park. Der Zug, die Sitze und die generelle Abfertigungsgeschwindigkeit erinnern an die von Blue Fire im Europa Park. Verbaut wurde ein sogenannter LSM-Antrieb, der für „Linear Synchron Motor“ steht und den Achterbahnzug wie ein Surfbrett auf einer elektromagnetischen Welle vorantreibt.

Was für ein Höllenritt“ ruft ein Achterbahnfan von Endorphinen durchspült während der Fahrt und trifft mit dieser Formulierung ins Schwarze. Taron wirkt wie ein schnell die Richtung wechselnder Ritt auf einem fliegenden Drachen, der mit mächtiger Geschwindigkeit unaufhaltsam durch die mystische Felsenlandschaft jagt. Inversionen werden nicht durchfahren, dafür jedoch kleine Airtime-Hügel, die kurz Schwerelosigkeit erzeugen und einige Overbanked Turns, die mehr als 90 Grad geneigt sind und auch das Gefühl vermitteln können, über Kopf zu fahren.

58 verbaute Streckenteile ermöglichen permanente Richtungs- und Neigungswechsel, um ein besonders wildes Fahrerlebnis zu bieten. In einer sehr hohen Frequenz folgen geneigte S- sowie höher – und tiefer gelegene Steilkurven unmittelbar hintereinander. Durch die vielschichtig verschlungene Felsenlandschaft von Klugheim wird der Streckenverlauf für die Fahrgäste unberechenbar, was das intensive Fahrgefühl entscheidend verstärkt. Plötzlich ändert der Zug die Richtung, verschwindet hinter einer Felsenformation, taucht in einen Tunnel hinein oder rast unter eine Brücke hindurch. „What a ride“ kommentiert ein Premieren-Gast aus England.

Taron läuft im Vierzugbetrieb, das heißt zwei Züge sind gleichzeitig auf der Strecke, getrennt durch den zweiten Magnetantrieb. Die beiden anderen Züge verbleiben währenddessen in der Station für den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste.

Bemerkenswert sind die Sicherheitsbeschränkungen, denn bereits Kinder ab 8 Jahren und einer Körpergröße von 1,30 Meter dürfen Taron benutzen. Allerdings müssen Kinder von 1,30 bis 1,40 Meter von Erwachsenen begleitet werden. Ähnlich wie bei „Kärnan“ im Hansa Park oder „Blue Fire“ im Europa Park kann heutzutage durch die moderne Achterbahntechnologie bereits Passagieren ab 1,30 Metern Achterbahngenuss auf höchstem Niveau geboten werden und dies sogar ohne Schulterbügel.

Taron wird auch im Wintertraum vom Phantasialand betrieben werden, denn eine unbedingte Anforderung an den Hersteller Intamin war es, eine Fahrfähigkeit bis mindestens -10 Grad Außentemperatur zu gewährleisten. Der permanente Lichtwechsel während der wilden Fahrt mit hellen und dunklen Passagen wird insbesondere abends im Wintertraum ein besonderes Fahrerlebnis ermöglichen, wie auch bei Black Mamba. In seiner Bauart ist Taron mit knapp 1.400 Metern der längste Multi Launch Coaster der Welt und übertrifft somit sogar die weltbekannten Achterbahnen Cheetah Hunt oder Maverick aus den Vereinigten Staaten.

Das Phantasialand konnte seine Kernkompetenz, die ganzheitliche Thematisierung, wieder einmal faszinierend unter Beweis stellen. Durch das Verschmelzen von Achterbahnen mit der unmittelbaren Umgebung konnte, wie bei Black Mamba, der Fahrspaß entscheidend verstärkt werden, wobei immer wieder bewusst ein sehr kurzer Abstand zu den riesigen Kulissen besteht. Oder, wie es ein Achterbahningenieur formulieren würde: „Das Phantasialand perfektioniert das Spiel mit dem Lichtraumprofil“.

Die zweite neue Achterbahn heißt Raik und ist an die ganze Familie sowie insbesondere kleinere Kinder gerichtet. Der niederländische Hersteller Vekoma, welcher auch die Bahnen „Colorado Adventure“ und „Temple of the Night Hawk“ konstruierte, erbaute mit Raik den größten Family Boomerang Coaster seiner Art. Kinder ab einer Körpergröße von 1,00 Meter dürfen die Bahn bereits nutzen. Allerdings müssen sie zwischen 1,00 und 1,20 Meter von einem Erwachsenen begleitet werden. „Boomerang Coaster“ bedeutet, dass der Achterbahnzug zunächst rückwärts hoch gezogen wird, um anschließend eine Strecke zu durchfahren, an deren Ende ein Aufstieg erfolgt. Der Zug fährt mit seiner restlichen Geschwindigkeit so lange hoch bis er anschließend wieder rückwärts die komplette Strecke zurück in die Station rollt. Nach dem Rückwärtsaufzug fährt Raik vorwärts durch verschlungene Steilkurven und schließlich aufsteigende Hügel mit Kurvenlage, bevor dieser Weg rückwärts bis zur Station wieder zurück gerollt wird. Dabei wird, wie bei Taron, ebenfalls das Dorf Klugheim mit seiner beeindruckenden Felsenlandschaft durchfahren. Außerdem verläuft die Strecke von Raik in der Nähe von River Quest und ist dabei sehr harmonisch in die ineinander übergehende thematische Gestaltung eingebettet.

Rechtzeitig zum Start der bevorstehenden Sommerferien wurde alles fertig gestellt, so dass in den nächsten Wochen die Besucher in das Phantasialand strömen werden. „Für gute Dinge, muss man auch lange warten“, ist eine Lebenseinstellung der Engländer und die Wartezeiten für die neuen hochqualitativen Achterbahnen werden ohne Zweifel lang werden. Der im Phantasialand angebotene Quick-Pass-Service wird für die neuen Bahnen leider nicht gelten, dafür wurde jedoch bei Taron ein Single-Rider-Eingang installiert: Vor den Stationen können die Passagiere zwischen einer Warteschlange für die erste Reihe und einer für die restlichen Reihen wählen.

Hans Heinrich Obergefäll, der bekannte Bauleiter des Phantasialandes, welcher unter anderem bereits das Mega-Projekt Black Mamba lancierte, kann sehr stolz auf Klugheim und die beiden neuen Achterbahnen sein, womit auf höchstem Thematisierungsniveau die gesamte Freizeitparkbranche nachhaltig beeindruckt wird.

Alle Fotos: Torsten Jansen

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Taron mit herrlich verschlungener Abfahrt. Foto: Torsten Jansen

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Taron mit Abfahrt ins wunderschön Ungewisse. Foto: Torsten Jansen

P1250473 (1)Taron rast über, unter, hinter und durch die mystische Felslandschaft. Foto: Torsten Jansen

P1250477Overbanked Turn at its best zum Ende der Fahrt, die irgendwie immer schneller und heftiger zu werden scheint. „WOW!“ Foto: Torsten Jansen

S. Peters

Ich stehe für zeitnahe Berichterstattung - regional stark, kompetent, informativ, mit Herz.

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