„Watt ich noch sägge well….“

– Jahreshauptversammlung des VVV: Tradition trifft Moderne –

Lobberich (sp). Zu sagen hat er immer noch eine ganze Menge, der Ur-Lobbericher Matthias Kamps, mittlerweile stolze 85 Jahre alt. Seit seiner Geburt im Jahr 1931, bis heute, ist Lobberich die Heimat des hellwachen Mundartdichters. Scharfsinnig beobachtet er sein Umfeld, analysiert detailliert Verhaltensweisen und die persönlichen Schrullen seiner Mitmenschen. Mundartliche Poesie als Mittel zum Zweck, mit viel Hintersinn und Ironie, aber auch Verbindlichkeit, um die eigenen Zeitgenossen aufs Korn zu nehmen. Ebenso hat der Spitzbube Kamps im Lobbericher Karneval damit 33 Jahre lang stets kurzweilig erheitert.

„Da waren sich alle im Vorstand einig“, fasste Christian Weisbrich (Vorsitzender) zusammen und gratulierte recht herzlich, „mit seiner geschliffenen Redeweise und seinem intelligenten Hintersinn hat sich Matthias Kamps besonders für den Lobbericher Ehrenpreis verdient gemacht.“ Bis heute verfasste der Dorfpoet mehr als 900 Gedichte sowie etliche Liedtexte, die im Kreisarchiv aufbewahrt werden. In Lobbericher Mundart formulierte kirchliche Messen gehören ebenfalls zu seinem Repertoire. Eine Auswahl seiner besten Gedichte hatte der VVV Lobberich im Jahr 2010 mit Unterstützung der Sparkassenstiftung, unter dem Titel „Watt ich noch sägge Well…“, heraus gegeben. Die besondere Auszeichnung, eine Urkunde sowie einen Miniaturwenkbüll aus Bronze, nahm er stolz in Begleitung seiner Ehefrau Grete entgegen.

Ein weiterer aktueller Schwerpunkt der Versammlung war die geplante Platzierung eines Wappensteins, der bis zum Jahre 1961 den Bogen über dem Haustor des Hofes, an der Ecke von Bocholtz-Straße/Freiheitsstraße, geziert hatte. Er präsentiert die Wappen der Eheleute Joachim von Bocholtz und Margaretha Pollart von Burg Bocholtz: die drei Leopardenköpfe (Bocholtz) sowie einen aufrecht stehenden Löwen, der von acht Steinen gesäumt ist. Das alte Familienanwesen, das seit 1396 der Familie von Bocholtz zu Lobberich gehört hatte, war im Laufe der Jahrhunderte zu einer Ruine verfallen und schließlich nur noch als Ackerhof genutzt worden. Im Jahr 1974 wurde an dieser Stelle das Warenhaus Karstadt erbaut (später Hertie), das mittlerweile ebenfalls abgerissen wurde. Zur Zeit entsteht dort ein Neubau für diverse Einzelhandelsgeschäfte.

Der VVV möchte gerne die Erinnerung an den ehemaligen Brockerhof, der vielen Altlobberichern noch als „et Büürke“ bekannt ist, vor Ort lebendig halten. So soll am einstigen Standort des Hofes eine Steinsäule errichtet werden. Dort soll eben jener Originalwappenstein aus dem 17. Jahrhundert eingearbeitet werden, der seit dem Gebäudeabbruch zum Schutz in der Alten Kirche gelagert war. Der Investor für den Neubau des Einzelhandels an der Ecke von-Bocholtz-Straße/Freiheitsstraße ist mit der Maßnahme einverstanden und versprach Mithilfe: Sein Unternehmen werde das Fundament herstellen. Die Gestaltungsmöglichkeiten zum Nutzen der Haltbarkeit der Stele diskutieren die Mitglieder des VVV zur Zeit mit dem Steinmetz Manfred Mangold. Eventuell solle es einen Aufguss des Originals geben, damit das Unikat nicht womöglich Vandalismus oder Witterungseinflüssen zum Opfer falle. „Ein solcher lässt sich auch noch detaillierter darstellen als der ursprüngliche Stein“, gab Theo Optendrenk zu bedenken. Die Rede war ebenso von einer möglichen Glaskuppel als Schutz. Weisbrich sinnierte jedoch, dass auch eine solche letztendlich zerstörbar sei. Bilder des einstigen Bauwerks sollen die Säule zieren. Außerdem soll ein Querschnitt seiner Geschichte auf dieser dokumentiert werden, welchen Historiker Theo Optendrenk verfassen wird. Am Ferkesmarktwochenende (22. und 23. Oktober) soll der Stein schließlich präsentiert werden.

Auf der Versammlung wurde außerdem das Möhrenfest vom vergangenen Jahr nach betrachtet. „Es war gut besucht und fand einen tollen Anklang, ebenso wie der Adventsmarkt“, resümierte Geschäftsführer Ralf Stobbe zufrieden. Immer wieder reges Interesse besteht an dem von Helmut Heesen angelegten Archiv, mit dem er Lobbericher Fotos „von damals und heute“ präsentiert. Beim Adventsmarkt vom vergangenen Jahr habe es erstmals eine neue Hüttenkonstruktion gegeben, die sehr gut bei den Besuchern angekommen sei. „Jedoch wird es immer schwieriger, genug Beschicker zu finden“, gab Schatzmeister Günter Bertges zu bedenken. Bisher jedoch sei man immer gut aufgestellt gewesen.

Bei den Wahlen wurde der Vorstand erneut bestätigt, auch die Kassenprüfer, Sebastian Ditges (Sparkasse Krefeld) und Stefan Terporten (Volksbank Krefeld), wurden einstimmig wieder gewählt.

Alle Fotos: Susanne Peters

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Christian Weisbrich überreicht Matthias Kamps die Urkunde für sein Lebenswerk. Foto: Susanne Peters

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Der Wenkbüll, das Lobbericher Wahrzeichen, war ebenfalls Bestandteil der Ehrung. Foto: Susanne Peters
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Urlobbericher Matthias Kamps freute sich über die besondere Anerkennung.

Foto: Susanne Peters

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Theo Optendrenk präsentiert ein Bild des Gedenksteins, der für Verschmelzung von Tradition und Moderne sorgen soll.

Foto: Susanne Peters

S. Peters

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