Den letzten Lebensweg verschönern

– Mit viel Leidenschaft im Traumberuf –

Breyell (sp). „Wenn du von Deinem Job als Altenpfleger erzählst, wirst Du schnell in eine Schublade gesteckt. So, als ob nur dazu gehört, dass man bei der täglichen Toilettenhygiene hilft“, bedauert Nina Reinold, Auszubildende des Kaldenkirchener Curanum. „Das stört mich wirklich sehr“, betont sie und weiß aus eigener Erfahrung: „Zur Altenpflege gehört so viel mehr. Wenn ich mich als Pflegefachkraft zum Beispiel um Demenzpatienten kümmere, muss ich mich mit Demenz auskennen und auch die Hirnareale und ihre Funktionsweisen kennen. Außerdem gehen unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Symptomen einher.“ Das müsse die Pflegefachkraft wissen und entsprechend müsse der Patient auch betreut werden, weil sonst viel falsch gemacht werden könne.

Nina, die sich intensiv auf ihr Examen in den Jahren 2017 und 2018 und damit auf ihren zukünftigen Traumberuf vorbereitet, wird während ihrer Ausbildung drei Praktika durchlaufen: Sie lernt den ambulanten Dienst kennen, arbeitet im Krankenhaus und außerdem in der Gerontopsychiatrie. Über jede Menge Fachwissen verfügt sie bereits und spricht leidenschaftlich über ihre Kenntnisse: „Der Beginn bei Alzheimer ist zum Beispiel schleichend, und während sich die Symptome im Laufe der Zeit verstärken, kommen neue hinzu. Die vaskuläre Demenz hingegen verläuft stufenartig und kann lange stagnieren. Und irgendwann geht es dem Patienten plötzlich rapide schlechter. Das alles muss man wissen, wenn man die betroffenen Menschen betreut.“

Die Schaagerin liebt ihren Beruf und möchte nichts anderes mehr machen. Auch ihre Mutter war bereits Kranken- und Altenpflegerin. So ist Nina buchstäblich in diesen Beruf hinein gewachsen. „Meine Mutter hat in einem Wohnheim für Behinderte gearbeitet. Dort wurden auch Pflegefälle betreut. Ich habe meine Mutter als Kind oft begleitet und ihr bei der Arbeit über die Schulter geguckt.“ Später habe ihre Mutter in einem Altenheim gearbeitet. Auch dorthin hat Nina sie häufig begleitet. „Ich fand das Thema Pflege schon als Kind sehr spannend. Und das ist eben bis heute so geblieben“, schwärmt sie.

Bevor sie selbst Mutter wurde, absolvierte sie mehrere Praktika im Krankenhaus und in Altenheimen. „Während der Erziehungs- und Elternzeiten war ich ausschließlich Hausfrau und Mutter. Dann wurde mein Opa von heute auf morgen schwer dement. Er befand sich von jetzt auf gleich in einer ganz anderen Welt“, erzählt sie. „Opa erhielt sofort Pflegestufe 3. Meine Großeltern hatten ein Pflegebett im Wohnzimmer, und ich habe mich mit gekümmert. Dabei habe ich auch wieder gemerkt, wie sehr mir der Umgang mit den Menschen und ihrer Krankheit liegt und wie sehr ich bei dem Gefühl helfen zu können aufblühe. Da wusste ich – das will ich immer machen!“

Der Schaagerin liegt es sehr am Herzen, „den letzten Lebensweg zu verschönern. Den Menschen ein schönes Restleben zu bereiten“, sagt sie mitfühlend. „Jedes Dankeschön über Gestik und Mimik geht runter wie Öl. Viele können nicht mehr sprechen, aber ihre Augen glänzen immer noch.“ Vor allem mit den stark dementiell veränderten Patienten singt sie häufig. „Singen lieben die Demenzkranken alle, und sie singen mit Herzblut mit.“ Auch validieren sei sehr wichtig: „Neben der fachlichen Ausbildung ist es sehr wichtig, in die Welt des Dementiellen mit einzutauchen. Ihn ernst zu nehmen und nicht zu vergessen, dass man es mit einem Erwachsenen mit einer Vita zu tun hat, nicht mit einem Kind.“ Dazu müsse man viel Ruhe, Geduld und Verständnis investieren.

Ich liebe jeden einzelnen Bewohner“, sagt Nina warmherzig, „natürlich tut es auch weh, wenn jemand stirbt. Aber der Tod gehört halt nun mal zum Leben dazu.“

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Angehende Pflegefachkraft mit viel Herz: Nina Reinold mit ihren Kindern

Tyra, Tyler und Tristan (von links). Foto: Susanne Peters

S. Peters

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