Ein ganz besonderer Hütehund

– Mit tierischer Empathie den Schulalltag bereichern –

Kaldenkirchen (sp). Australian Shepherd Lotta ist ein Hütehund par excellence. Jedoch hütet sie keine Schäfchen, sondern Schüler. „Ihrer Natur entspricht es, die Herde zusammenzuhalten“, erklärt Sportlehrerin Katrin Funcke schmunzelnd. „Sie spürt, wenn es einem Menschen nicht gut geht und ist grundsätzlich für Stimmungen sehr empfänglich.“

Bereits seit vier Jahren gehört die Hündin regelmäßig zum Alltag der Realschule Kaldenkirchen. Funcke ist Lottas Frauchen und hat mit ihr eine Ausbildung absolviert. Die Idee, ihren Hund in den Ablauf der Schule zu integrieren, hatte sie, als eine Freundin im Examen ihre Abschlussarbeit zum Thema „Therapiehunde im schulischen Anwendungsbereich“ schrieb.

„Lotta ist sehr gelehrig und anhänglich. 200 Kommandos kennt sie – das entspricht dem Niveau eines zweieinhalbjährigen Kindes“, erklärt die Lehrerin, die sich zur Zeit im Mutterschutz befindet, den Hund aber weiterhin regelmäßig seinen Dienst verrichten lässt.

Verantwortlich für außergewöhnliche Empathie im Allgemeinen, auch dieser Hunderasse, seien spezielle Nervenzellen, genauer Spiegelneuronen, so vermuten Wissenschaftler. Sie stellen ein Resonanzsystem im Gehirn, das alleine durch Betrachtung menschlichen Verhaltens Gefühle und Stimmungen beim Empfänger zum Erklingen bringe. Genau diese Voraussetzung mache Lotta zu einer wertvollen Hilfe und Hüterin im Schulalltag, so Funcke.

Als Joachim Sczyrba vor rund vier Jahren seinen Dienst als Realschulleiter aufnahm, war er Feuer und Flamme und sofort einverstanden, die heute fünfjährige Hündin in den Schulablauf zu integrieren. Zunächst jedoch wurde dies auf einer Konferenz besprochen und schnell war klar: Der Australian Shepherd darf bleiben! „Lotta besucht viele Klassen, sie ist quasi flächendeckend im Einsatz“, erklärt Sczyrba. Überwiegend ist die aufmerksame Hündin in Begleitung ihres Frauchens unterwegs. Nur die Sporthalle durfte und darf sie natürlich aus hygienischen Gründen nicht betreten, auch nicht, wenn Katrin Funke ab kommenden August wieder als Lehrerin im Dienst ist. Dann kümmern sich für zwei bis vier Stunden Schüler um das empathische Tier. 

Da ist zum Beispiel Felice (16), die Lotta in der Pause im Lehrerzimmer abholt und mit ihr Gassi geht. So könne der Hund sich austoben und andererseits für Ruhe sorgen. „Die Kinder spielen gerne mit ihr, so ist Lotta auch in der Pause ausgelastet“, erläutert Katrin Funcke lächelnd. „In der Klasse kommt sie zum Einsatz, indem sie bellt, wenn der Geräuschpegel Überhand nimmt. Die Kinder nehmen dann automatisch Rücksicht“, fügt sie hinzu. „Ey, seid mal leise, sonst bellt Lotta“, ermahnten sich die Kinder bereits untereinander. „Auch bei einer Klassenfahrt nach Norderney war Lotta mit von der Partie und hat dort die Kinder wie Schäfchen zusammen gehalten“, berichtet die Lehrerin augenzwinkernd. Lachend fährt sie fort: „Meine Mutter hatte sich geopfert, sie war ebenfalls dabei und übernachtete mit Lotta auf eigene Kosten in einem Wellness-Hotel. Die Jugendherberge durfte Lotta natürlich nicht betreten.“

Dass die Hündin eine ausgleichende Wirkung hat, erfährt auch der Schulleiter am eigenen Leib. „Manchmal kommt man morgens im Lehrerzimmer an und ist noch ein wenig müde und im Tran. Dann bringt Lotta einen schon munter auf Trab.“ Auch Schülerin Elora (16) hat sehr gute Erfahrungen mit der Hündin gemacht: „Bei Referaten wir man ruhiger und entspannter, man kann sich besser konzentrieren.“ Auch habe sich Felice im Laufe der Jahre dank Lotta weiter entwickelt, so beobachtete Katrin Funcke. „Felice war früher sehr schüchtern. Heute ist sie selbstbewusster. Sie musste sich behaupten, wenn in der Pause zu viele Kinder um sie herum standen und mit dem Hund spielen wollten.“

Beispiele für den regelrecht heilsamen Einsatz von Lotta fallen ihre viele ein. So gab es unter anderem den Fall einer Schülerin, die ihre Mutter verlor. „Durch Lotta hat sie wieder die Kraft und Motivation gefunden zur Schule zu gehen, anstatt in die Vogel Strauß-Politik zu verfallen“, erinnert sich Funcke. Ein weiteres Beispiel sei ein Schüler, der autoaggressive Tendenzen gezeigt habe. „Dank Lotta konnte er sich beruhigen und besser konzentrieren. Ebenso gab es einen Schüler, der zu viel Bewegungsdrang hatte. Ständig ärgerte er seine Mitschüler. Zunächst durfte er während des Unterrichts zweimal mit Lotta kuscheln, später nur noch einmal, bis dies nicht mehr nötig war und er sich schließlich von selbst beruhigte.“

Felice fängt an zu lachen. „Und eine große Portion Humor hat unsere Lotta auch! Man kann ihr allerhand Kunststückchen beibringen“. Spontan erzeugt sie ein Schussgeräusch, und der aufgeweckte Hund wirft sich auf Kommando auf den Boden.

Natürlich achtet die Lehrerin auch auf Lottas Ernährung. „Die Pausenbrote sind natürlich tabu. Alle Kinder achten darauf ihre Schultaschen geschlossen zu halten, wenn Lotta in der Nähe ist.“ Und im Lehrerzimmer verteile sie selbst Leckerlis an die Kollegen. „So ist auch gewährleistet, dass Lotta nicht noch Süßes nascht.“

Für den Schulleiter ist Lotta längst lieb gewonnenes und unverzichtbares Individuum im Schulalltags. „Sie passt einfach prima ins Konzept der Schule. Denn wenn sich die Schüler wohl fühlen und die Atmosphäre stimmt, dann stimmt auch die Leistung. Wir haben enorm viel von Lotta gelernt. Davon profitieren wir bis heute.“

Im Bild (von links): Elora, Felice, Katrin Funcke und Lotta.

S. Peters

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