Großer Teil des Kletterwaldes zerstört

– Bürgermeisterin besucht Kletterwald und Wildgehege –

Süchteln (red). Bürgermeisterin Sabine Anemüller hat sich am gestrigen Samstag einen persönlichen Überblick über die Schäden am Kletterwald und im Wildgehege auf den Süchtelner Höhen verschafft. Stadtförster Rainer Kammann hatte dazu eine sichere Route ausgewählt. Er warnte nochmals eindringlich davor, den Wald zu betreten: „Jederzeit können ohne Vorwarnung weitere Bäume umstürzen oder abgebrochene Äste herunterfallen.“

Große Teile des Kletterwaldes sind zerstört, einzelne Abschnitte könnten nach ersten Einschätzungen rasch wieder hergerichtet werden. Zunächst allerdings müsse aufgeräumt werden. Kletterwald-Geschäftsführer Jörg Brockes und Stadtförster Rainer Kammann sagten dazu, dass diese Arbeiten sorgfältig bedacht werden müssen. An vielen Stellen stehen Bäume schräg, es gebe erhebliche Spannungen im Holz und durch die Seile des Kletterwaldes. Anfang nächster Woche werden Fachbetriebe die Situation anschauen und mit den Arbeiten beginnen.

Erst wenn aufgeräumt sei, könnten die noch stehenden Bäume begutachtet werden. Seien Bäume „angeschoben“ worden, müssen auch diese entfernt werden, bevor über den Wiederaufbau nachgedacht werden könne. Als „angeschoben“ werden Bäume bezeichnet, die sich im Sturm so weit geneigt haben, dass die Wurzeln im Boden gerissen sind. Wenn diese Bäume dann nicht umstürzen, sondern sich wieder aufrichten, sehen sie auf den ersten Blick unbeschädigt aus. Tatsächlich haben sie aber keinen Halt und können urplötzlich umfallen. Entsprechend geschulte Gutachter können dies an Veränderungen im Wurzelbereich der Bäume nahe der Oberfläche erkennen.

Brockes sagte gegenüber Bürgermeisterin Sabine Anemüller, er überlege bereits, wie der Betrieb wieder aufgenommen werden könne. Für ihn stehe fest, dass ein Neustart nur am bisherigen Standort in Frage komme. Die Bürgermeisterin sagte ihm die Unterstützung der Stadt zu. Das gelte nicht nur für die Aufräumarbeiten in enger Abstimmung mit dem Stadtförster, sondern auch für den Wiederaufbau. Hier sei etwa an die Nutzung benachbarter Flächen oder an die Frage der raschen Erteilung von Genehmigungen zu denken.

Erste gute Nachrichten gab es im Wildgehege, wo die Bürgermeisterin Mitarbeitern der städtischen Betriebe für ihren Einsatz dankte. Alle Tiere haben den Sturm gut überstanden. Zwar müssen sie vorübergehend mit etwas weniger Platz auskommen, die Aufregung nach dem Sturm habe sich aber bereits wieder gelegt. Der Ruhebereich des Damwilds ist zurzeit nicht nutzbar. Die Kamerunschafe sind in einem Gehege gesichert. Die Wildschweine haben sich in die hinteren Bereiche zurückgezogen.

Xpad-Geschäftsführerin Katrin Kraft, deren Unternehmen seinen Sitz am Wildgehege hat, sagte, eine Mitarbeiterin, die sich um die Tiere kümmere, habe diese regelmäßig mit Futter versorgt. Das habe die Tiere beruhigt, die so trotz der zerstörten Zäune im Gehege geblieben waren. Rainer Kammann sagte, der Bereich, in dem sich der Zugang für Besucherinnen und Besucher befunden habe, sei eines der am stärksten geschädigten Stücke: „Hier sind 30 Jahre forstwirtschaftliche Arbeit zum Aufbau eines gesunden Mischwalds in zwei Stunden weggeweht worden.“

Abschließend besuchte die Bürgermeisterin noch die Waldjugend. Hier liefen die Aufräumarbeiten rund um das Landeszentrum ebenfalls auf Hochtouren. Gebäudeschäden gab es keine. Rund um die große Wiese im Zentrum des Horstgeländes sind jedoch reihenweise Bäume umgestürzt. Daniel Ingmanns sagte, alle Nachbarn auf den Süchtelner Höhen unterstützen sich bei den Aufräumarbeiten nach Kräften.

Alle Betroffenen zeigten sich beeindruckt von der Welle der Anfragen, wie ihnen geholfen werden könne. Viersens Feuerwehrchef Frank Kersbaum, der die Hilfseinsätze während des Sturms geleitet hatte, sagte dazu, die größte Hilfe sei es zunächst, wenn die Menschen sich aus den Gefahrenbereichen fernhielten. Die Aufräumarbeiten sollten Fachleuten überlassen werden.

Bereits während der Besichtigung wurde eine Idee entwickelt, wie die Bevölkerung beim Wiederaufbau helfen kann. Stadtförster Kammann sagte, auch mit Blick auf den ähnlich zerstörten Bereich Peter-Stern-Allee am Hohen Busch, dass hier eine gemeinschaftliche Aufforstungsaktion ähnlich wie der Aufbau des Jubiläumsgartens denkbar sei. Auch Katrin Kraft von Xpad sagte spontan ihre Unterstützung für ein solches „Crowd-funding“-Projekt zu. Details werden in Kürze gemeinsam erarbeitet und dann bekanntgegeben.

Kammann sagte weiter, dass der Löwenanteil der Arbeiten erst nach dem Aufräumen folge. Dann müssten die betroffenen Bereiche für die Wiederaufforstung vorbereitet werden. Wenn alles gut gehe, könnten in einem Jahr neue Bäume gesetzt sein. Diese müssten dann gepflegt werden, damit daraus neuer Wald entstehen könne. Bis allerdings der Zustand vor Friederike wieder erreicht sei, werden mehrere Jahrzehnte vergehen.

Parallel zu den Arbeiten im Wald wurden am Samstag die Aufräumarbeiten im innerstädtischen Bereich fortgesetzt. Hier steht zunächst die Sicherung in den Grünanlagen und auf den Friedhöfen im Vordergrund. Viele Vorhaben im Bereich Stadtgrün und Forsten sind vom Sturm durchkreuzt worden. So sagte Kammann, dass der Forstwirtschaftsplan für 2018 praktisch erledigt sei. Der Hiebsatz, also die Menge Holz, die geplant gefällt werden sollte, sei voraussichtlich bereits erreicht: „Wir müssen unsere gesamte Jahresplanung neu erarbeiten.“

Titelbild: Begutachtung im Kletterwald (von links): Sabine Anemüller, Katrin Kraft, Frank Kersbaum, Rainer Kammann und Jörg Brockes. Foto: Stadt Viersen

S. Peters

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