Blutbuche zu neuem Leben erweckt

– Eleganter Kugelschreiber mit Erinnerungswert –

Text und Fotos: Susanne Peters

Leuth. „Ich war schon immer sehr fantasievoll und kreativ; als Kind konnte ich mich stundenlang selbstvergessen mit Legosteinen beschäftigen und alles Mögliche bauen“, erzählt Schreinermeister Michael Zenz über seine kreative Ader, die bis heute geblieben ist. „Im Alter von 14 Jahren machte ich zunächst ein Praktikum bei einem Metzger. Das war nichts für mich“, sagt er lachend, „einmal musste ich ein Schwein schultern und tragen – das fand ich ganz schrecklich!“ Schließlich begann er einmal wöchentlich, nach der Schule, bei einem Schreiner zu arbeiten. „Das hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht, und ich habe dort schon vor meiner Ausbildung vieles von A bis Z, was den kompletten Betrieb betrifft, gelernt. So war das früher noch.“

Vor zwei Jahren dann hatte der Leuther eine grandiose Idee, die er sogleich in die Tat umsetzte: Er kreiert Kugelschreiber mit ihrer ureigenen persönlichen Note. Dazu verwendet er hochwertige Bausätze und bestückt die Grundlage mit Holz. Jedes einzelne mit Liebe gestaltete Stück ist ein beeindruckendes Unikat und strahlt durch variierende Maserungen eine eigentümliche Eleganz aus. Auch seine Tochter gehört zu seinen Kunden – sie arbeitet in einem Hotel in Cambridge, das regelmäßig von Professoren der hiesigen Universität frequentiert wird, die sich um die außergewöhnlichen Kugelschreiber buchstäblich reißen.

„Ich verwende jede Holzart, ob zum Beispiel Birnbaum, Ahorn oder Eiche“, beschreibt der leidenschaftliche Drechsler, „vor allem aber finde ich es sehr schön, wenn man auf diese Art etwas Ausgedientes in praktischer und hübscher Form erhalten kann.“ In diesem Sinne freut sich der Leuther natürlich auch sehr über ausgefallene Auftragsarbeiten. „Das kann das Holz einer alten Tür betreffen, die ausgedient hat, oder solches, das von einem alten Kinderstuhl stammt, mit dem man besondere Erinnerungen verknüpft. Für die Herstellung eines Kugelschreibers kann ich grundsätzlich jedes gewünschte Holz verwenden.“ Und dabei scheut er keine Mühen: „In einem Fall hatte ich ein sehr marodes Stück Holz zu drechseln. Es zerfiel schon fast zu Staub. Ganze vier Stunden verwendete ich darauf, das Holz für den Kugelschreiber in Form zu bringen, indem ich Kaffeepulver mit Flüssigkleber präparierte und so einen hervorragenden Füllstoff zur Verarbeitung gewann.“

Und so trug es sich zu, dass auch die in diesem Jahr gefällte Blutbuche vom Leuther Friedhof, die zwischen 200 und 300 Jahre alt und aufgrund eines starken Pilzbefalls nicht mehr verkehrsfähig war, wieder zur Auferstehung gelangte. „Dieser Baum lag mir sehr am Herzen, so wie vielen anderen Leuthern auch. Er war ein Wahrzeichen für unser Dorf, wenn nicht sogar das Wahrzeichen“, sagt Zenz mit einem Anflug von Wehmut. „Natürlich wurde mir schnell klar, dass ich auch dieses Holz für meine besondere Leidenschaft verwenden konnte. Ich rief bei der Stadt Nettetal an und fragte, ob ich ein paar von den gefällten Ästen bekommen könnte.“

Gesagt, getan. So lagerte der Leuther vier große Äste, mit einer Länge von drei bis vier Metern, auf seinem Hof und machte sich an die Arbeit, indem er 70 Zentimeter große Stücke daraus schnitt. Damit das Holz während des Trocknens nicht riss, versiegelte er zuvor die Köpfe und ließ die Relikte der einstigen Blutbuche so zu besonderen Ehren kommen.

Die Leuther sind begeistert von der Arbeit des passionierten Schreiners. „Ich habe schon einige dieser speziellen Kugelschreiber verkauft, und jeder, der ein besonderes Unikat haben möchte, das ihn an die uralte Blutbuche unseres Dorfes erinnert, kann eines bei mir erwerben“, bietet Zenz lächelnd an.

Weitere Informationen und Kontakt: michael.zenz@gmx.net

S. Peters

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