Aus dem Leben eines Kneipiers

– Skurrile Geschichten und Generationswechsel gegen den Strich gebürstet –

Breyell (sp). Wilfried Kreuels kann es nicht lassen: Im vergangenen Jahr erhielt er bereits eine besondere Auszeichnung vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband für „50 Jahre Dienst hinter der Theke“. Zu Beginn dieses Jahres übergab ihm sein Sohn Alexander die Gastronomie „Bierkultur Kreuels“ vertrauensvoll zurück in seine Hände.

Im Jahr 2009 hatte der junge Breyeller die Wirtschaft übernommen, Vater Wilfried jedoch blieb der Kneipe treu und weiterhin mit Feuereifer im Einsatz. Im vergangenen Jahr entschied der ausgebildete Feldjäger Alexander, in seinen alten Beruf zurück zu kehren und ist nun wieder für eine Sicherheitsfirma in Straelen tätig.

Bis heute habe ich gerne regelmäßig in der Kneipe ausgeholfen, und nun bin ich eben wieder der Boss“, sagt Wilfried schmunzelnd, der im zarten Alter von 14 Jahren beinahe eine Ausbildung zum Metzger begonnen hätte. „Damals fiel mein Vater aufgrund eines Herzinfarktes als Kneipier aus, so dass Not am Mann war, und ich, eher unerwartet, mit viel Leidenschaft in dieses Gewerbe hineinwuchs.“

Etliche Erinnerungen verbindet der Wirt mit seiner Kneipe und dem angrenzenden Saal. Vieles haben er und Hubertine Kreuels, nach wie vor gute Seele des Hauses, bis heute erlebt. So gibt es lustige, aber auch herzerwärmende und traurige Geschichten. „Einmal stand plötzlich ein Gast mit einem riesigen Blumenstrauß in der Kneipe und drückte ihn mir in die Arme“, erinnert sich Hubertine, „ich habe heute eigentlich Silberhochzeit, sagte er und wollte meine Frau mit dem Strauß überraschen. Als ich in die Wohnung, kam war sie weg – sie hat mich verlassen.“

Aber auch die jungen Gäste sorgten eins ums andere Mal für besonderen nachhaltigen Gesprächsstoff. „Als es die Wehrpflicht noch gab, genossen die jungen Rekruten am Wochenende bei uns frei trinken, nur Runden mussten sie natürlich bezahlen. Ein junger Soldat hat sich an einem Sonntag so abgeschossen, dass er die komplette Zugfahrt auf dem Weg zur Kaserne in Rheine verschlief und schließlich in Bremen erwachte.“ Und als er zurückfuhr, habe er erneut nicht den Zug, denn er lag ja in demselben, sondern den Ausstieg an der richtigen Station verpasst und sei in Mönchengladbach erwacht. „So fand er den Weg in die Kaserne erst am Nachmittag, anstatt um 6 Uhr in der Frühe. Was haben wir über diese Geschichte gelacht!“

Auch Hubertine erinnert sich an weitere skurrile Begebenheiten und erzählt lachend: „Im Saal war eine Party in vollem Gange, und einige Gäste hatten ein Taxi bestellt. An der Theke im vorderen Kneipenbereich feierte eine Truppe junger Soldaten aus Lobberich. Einer ging zur Garderobe und zog sich irgendeine dunkle Lederjacke an. Er warf immer wieder sein klimperndes Schlüsselbund in die Höhe, fing es auf und rief: „Taxi!“, um der Reihe nach die Leute zu veräppeln, die grüppchenweise zum Eingang gerannt kamen.“ Dazu fällt auch Wilfried noch etwas ein: „Es war ebenfalls ein junger Rekrut, der unser Telefon, damals in einem kleinen Kabuff, mit geöffneter Tür, nutzte. Er rief sturzbetrunken in seiner Bundeswehrkaserne an: „Hier spricht mein Bruder. Mein Bruder ist krank, er kann nicht kommen!“

Der 64-jährige Breyeller freut sich auf weitere schöne sowie erlebnisreiche Jahre und verspricht: „Es bleibt erst mal alles beim Alten, die Vereine feiern so wie immer. Auch unsere Besetzung leistet uns schon seit vielen Jahren treue Dienste. Ulrike und Sylvia sind seit 30 Jahren für uns im Einsatz, Claudia und Udo sind ebenfalls jederzeit mit Hand und Herz zur Stelle. Dafür sind wir sehr dankbar.“

 

S. Peters

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