Im Interview mit Paul Maar

Paul Maar schrieb unzählige Kinderbücher und las mehr als 5.000 Mal aus seinem Buch „Am Samstag kam das Sams zurück“ vor. Nun gastiert er mit seinen musikalischen Begleitern, Wolfgang Stute und Konrad Haas, als „Schiefes Trio“, am Sonntag, 30. Juni, um 19 Uhr, in der Alten Kirche Lobberich und trägt „schräge Geschichten“ vor.

von Susanne Jansen

  1. Herr Maar, können Sie sich an Ihren ersten selbst gelesenen Roman erinnern?

Oh ja, das kann ich! Das war im Alter von sechs Jahren, „Die Indianergeschichte“ von Gerhart Drabsch. Ich habe es immer wieder verschlungen. Was mich aber damals an diesem Buch ganz besonders faszinierte, waren die Illustrationen in Form von Holzschnittdruck von Alfred Zacharias. Ich habe die Bilder sicher an die hundertmal mit viel Begeisterung akribisch nachgezeichnet. Später habe ich dann ja auch meine eigenen Bücher mit viel Liebe selbst illustriert.

  1. Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?

Ich habe mich oft in eine Traumwelt geflüchtet, da ich es zu Hause nicht so leicht hatte. Ich fühlte mich folglich häufig nicht angesprochen, weil ich zum Beispiel in meiner Fantasie gerade auf einem Mustang durch die Prärie ritt. Wenn ich dann schließlich reagierte, sagte meine Mutter: „Jetzt kommt er wieder aus seinem Mustopf!“ Als Kinder waren wir früher aber insgesamt viel freier. Wir haben abenteuerliche Dinge, draußen im Freien, erlebt, die unsere Eltern nicht unbedingt wissen durften und die heutzutage gar nicht mehr möglich sind.

  1. Wann haben Sie erstmals etwas Literarisches veröffentlicht?

Ab dem Alter von zwölf Jahren begann ich Gedichte für unsere Schülerzeitung zu schreiben. Mit circa 17 Jahren folgten dann Artikel. Ich habe schon damals wahrgenommen, dass ich dieses Talent zum Schreiben habe. Und wenn man ein Talent hat, dann muss man unbedingt etwas daraus machen. Es macht mir obendrein auch noch sehr viel Spaß. Und wenn ich erlebe, dass meine Geschichten sehr gut ankommen, dann motiviert mich das umso mehr.

  1. Was lesen Sie selbst heute?

Ich bin sehr vielseitig interessiert. Am Rande lese ich auch Kinder- und Jugendbücher immer noch sehr gerne. Mir hat „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf ausgesprochen gut gefallen, der aber auch noch andere tolle Bücher geschrieben hat. Das ist das Spannende am Entdecken neuer Autoren: Ich freue mich immer wieder, wenn sich unerwartet weitere, sehr interessante Werke offenbaren, die mir sonst verborgen blieben.

  1. Wo sehen Sie den besonderen Wert des Lesens?

Das Lesen entwickelt einen eigenen Sog, es entführt auf eine fantasievolle und spannende Reise, bei der jeder seinen eigenen Film im Kopf fährt. Außerdem erweitert es ungemein den Wortschatz. Deshalb halte ich es nach wie vor natürlich für sehr wichtig. Das heißt aber nicht, dass man unbedingt Bücher lesen muss. Ich denke, dass auch das generelle Medienangebot sehr groß ist, und da ist sicher nicht alles schlecht. Ich finde es übrigens auch interessant zu sehen, wie ein Buch filmisch umgesetzt wurde. Ich empfehle aber lieber, doch erst den Film anzuschauen und anschließend das Buch zu lesen; sonst wird man in der Regel enttäuscht.

  1. Wie entstanden Ihre „schrägen Geschichten“?

Ich habe Spaß an skurriler Situationskomik im Alltag. Das liegt einfach in meiner Natur. Deshalb gefiel mir die Idee sehr gut, die bekannten Märchenthemen für die ganze Familie, also für Kinder verständlich und für Erwachsene mit einem gewissen Tiefgang, zu variieren. Das Resultat ist „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“; man kann auch sagen „moderne Märchen bizarr gegen den Strich gebürstet“. So wurde zum Beispiel aus dem „gestiefelten Kater“, ein „gestiefelter Skater“, und Schneewittchen traf auf sieben Rapunzeln. Ich habe einen sehr schrägen Humor, das hat mich natürlich angespornt, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diese verdrehten Geschichten quasi neu zu erfinden. Zusätzlich abgerundet wird der verrückte Märchenspaß auf der Bühne außerdem durch meine sehr geschätzten musikalischen Kompagnons, Wolfgang Stute als Gitarrist und Perkussionist, sowie natürlich Konrad Haas, der Querflöte, Blockflöte und Keyboards spielt.

Weitere Informationen: www.altekirche.info

 

Susanne Jansen

Ich stehe für zeitnahe Berichterstattung - regional stark, kompetent, informativ, mit Herz.

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