Blackout im Seerosensaal

– Globale Katastrophe nach Stromausfall –

Lobberich (sj). Immer erst dann, wenn etwas nicht mehr glatt läuft, wird uns die Selbstverständlichkeit einer reibungslos funktionierenden Technik in unserem Alltag in ihrer vollständigen Deutlichkeit bewusst und auch, wie sehr wir von ihr abhängig sind. In seinem modernen IT-Thriller „Blackout – Morgen ist es zu spät“, führt uns der Österreicher Marc Elsberg eindrucksvoll vor Augen, dass ein vollständiger globaler Stromausfall, in Folge von Kettenreaktionen, eine Katastrophe auslöst, welche die eigene verwöhnte Vorstellungskraft sprengt.

Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel präsentierte auf der Bühne des Seerosensaals eine Adaption des Themas, konnte aber, aufgrund der enormen Komplexität der literarischen Vorlage, trotz herausragender schauspielerischer Leistung nur an der Oberfläche kratzen. Der Strom fällt aus, es wird dunkel in Läden, Wohnungen und öffentlichen Institutionen. Unter anderem kann der Flugverkehr nicht mehr aufrechterhalten werden, der digitale Informationsfluss stoppt, Autos können aufgrund der elektrisch gesteuerten Pumpen nicht mehr betankt werden. Die Lebensmittel werden knapp, und in Atomkraftwerken kommt es zu Schmelzen. Die Regierungen in Brüssel und in den Hauptstädten versuchen, die Kontrolle zurück zu bekommen. In der Bevölkerung bricht Panik aus, es folgen Plünderungen und Unruhen – der Kampf umsDieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20191121_213851-1-1.jpg Überleben eskaliert. Schließlich stellt sich heraus, dass es sich um einen Terroranschlag, zunächst auf das europäische Stromnetz, handelt.

Zum Bühnenbild gehören Baugerüste, die den Künstlern (zum Teil in Doppelrollen), auch während der Dialoge, zum ständigen Klettern dienen. Was zunächst irritierte, entpuppte sich als kreative Möglichkeit, den ständigen Wechsel der Schauplätze in diesem sehr vielschichtigen Stück zu präsentieren. Obendrein entsteht durch den dunklen Hintergrund, das kalte Metall und die grelle Beleuchtung beinahe eine Art schwarz-weiß Szenario, was die bedrückende Atmosphäre noch passend potenziert. Dazu gibt es kurze Einspielfilme auf Leinwand, die Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, was dem Stück wiederum faszinierend authentische Momente beschert. Schließlich werden nach knapp zwei Wochen einige der Terroristen gefasst, und die Stromversorgung funktioniert allmählich wieder.

„Ich habe das Buch gelesen und fand es sehr interessant. Aber ich denke, es ist sehr schwierig, diese Komplexität auf der Bühne darzustellen. Man versteht vielleicht auch Einiges nicht, wenn man das Buch nicht kennt. Besonders haben mich die sehr realistisch wirkenden Einspieler von Zeitzeugen beeindruckt“, meinte Besucherin Vera Thelen. Vermutlich müsse ein solch tiefsinniges und folgenreiches Szenario aber nach Möglichkeit insgesamt viel drastischer wirken, damit es schockierend realistisch in das Bewusstsein dringt und wach rüttelt. „Der Seerosensaal als Ersatz für die Werner-Jaeger-Halle hat mir sehr gut gefallen, da war ich angenehm überrascht“, fügt Thelen lächelnd hinzu.

Wissen kompakt

Marc Elsberg (Jahrgang 1967) hat mit „Blackout“ einen der international erfolgreichsten Krimis der letzten Jahre geschrieben. Im Jahr 2012 wurde das Buch von der Zeitschrift »Bild der Wissenschaft« als »Wissensbuch des Jahres« ausgezeichnet. Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, wird als Schullektüre genutzt und befindet sich auf dem deutschsprachigen Markt mittlerweile in der 29. Auflage.

Text und Foto: Susanne Jansen

Susanne Jansen

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