Magische Momente “by Katja”

– Eine starke Frau auf dem Weg zu sich selbst –

Lobberich (sj). Hobby-Fotografin Katja Oemmelen ist eine starke Frau. Als Kind hatte sie in Folge eines Unfalls ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Daraus entwickelte sich im weiteren Verlauf eine Dystonie* – die Füße, die Knie und die Hüfte des jungen Mädchens waren verkrümmt. Diese Folgeschäden wurden zu spät diagnostiziert, obwohl Oemmelen mehrfach selbst diesen Verdacht geäußert hatte. Insgesamt hatte die junge Frau sehr viel Pech: Es folgten etliche Operationen im Rückenbereich – mehrere misslangen. Die Folge: Die Lobbericherin ist heute von der Brustwirbelhöhe abwärts gelähmt.

„Ich finde es sehr wichtig, mich selbst anzunehmen, wie ich bin“, betont die 39-Jährige, „ich habe damals mehrfach einen Anwalt konsultiert. Er riet mir davon ab, jeweils zu klagen. Es gibt einfach zu wenig Chancen auf Erfolg – es ist schwer, den Ärzten ihre Nachlässigkeiten zu beweisen und ein sehr nervenaufreibender Weg. Meine Gesundheit hätte mir auch kein Geld der Welt ersetzen können.“ In Folge der schweren Schicksalsschläge flüchtete sich Oemmeln in der Pubertät in Essstörungen, die in einer Anorexie mündeten. „In der Schule gab es einen Konkurrenzkampf unter uns Mädchen. Wir wollten immer noch schlanker sein. Ich habe damals einfach nicht den Absprung geschafft wie die anderen, die das nur als kurze Phase erlebten.“ Es folgten Klinikaufenthalte. Es gab Rückfälle. Aber Oemmelen verlor niemals ihren Mut. „Ich esse heute konsequent strukturiert und nach Plan. 1.100 Kalorien müssen es sein; mehr nicht, da ich ja im Rollstuhl sitze“, erklärt sie.Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20200219_124052.jpg

Im Nettetaler Krankenhaus lernte die sensible junge Frau Dr. Elsbeth Steinfort kennen, die Mitbegründerin der Palliativstation. „Ihr habe ich so unglaublich viel zu verdanken. Sie hat mich psychologisch und internistisch betreut und mir so viel Mut gemacht, und sie hat mein Leben gerettet, als es wirklich auf Messers Schneide stand! Sie hatte mich an den Punkt gebracht, zu begreifen: Entweder ich esse oder ich sterbe.“ Schließlich erkrankte Steinfort schwer an Krebs. „Das war ein sehr schwerer Schlag für mich. Sie hatte ursprünglich zu mir gesagt: Dein Leben geht weiter, ich versuche für Dich da zu sein“, sagt Oemmelen leise. „Elsbeth hatte mir nicht nur etwas von ihrer großen Kraft abgegeben, sondern sie ging auch selber sehr offen und gefasst mit ihrer Krankheit um. Sie war Ärztin, sie wusste, dass sie nicht mehr lange hatte.“

Natürlich gibt es bis heute Momente, in denen sich die Hobby-Fotografin fragt: „Warum sind ausgerechnet mir diese vielen Schicksalsschläge widerfahren? Aber ich bin kein Mensch, der viel jammert. Ich will lieber weiter nach vorne gucken und etwas tun.“ So hatte sie, als passionierte Hobby-Fotografin, lange von ihrer eigenen Ausstellung geträumt. „Und schließlich wurde dieser Traum im vergangenen Jahr endlich wahr. Ich habe eine Ausstellung im Evangelischen Gemeindehaus gemacht, anschließend sehr viele meiner Bilder verkauft und den gesamten Erlös, zu Ehren von Elsbeth Steinfort, der Palliativstation des Nettetaler Krankenhauses gespendet.“

Beinahe täglich verbringt Oemmelen viele Stunden in der freien Natur, um aus ihrer besonderen Perspektive magische Momente mit der Sprachsteuerung ihres Smartphones einzufangen. „Ich schreibe Gedichte, und ich plane ein eigenes Buch“, sagt sie lächelnd, „das alles ist natürlich auch ein Stück Selbsttherapie für mich. Es gibt mir sehr viel Kraft und hilft gegen schlechte Gedanken.“ Aber nicht nur das! Obendrein macht sie vielen Menschen eine große Freude mit ihrer eigentümlichen Poesie in Bild und Wort. Denn die junge Künstlerin postet ihre Fotos bei Facebook und schreibt romantische Sprüche dazu. „Den Menschen gefallen meine Bilder, sie haben Spaß, sie anzusehen, und ich freue mich, weil sie sich freuen. Das ist ein Geben und Nehmen und motiviert mich natürlich immer weiter und weiter“, versichert Oemmeln strahlend.

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/Natur-und-Landschaftsfotografie-by-Katja

*Bei der Dystonie (altgriechisch δύς- dys- „schlecht“, „falsch“; τόνος tonos „Spannung“) handelt es sich um eine Gruppe von Bewegungsstörungen, deren neurologischer Ursprung in den motorischen Zentren im Gehirn liegt. Sie wird zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. (Quelle: Wikipedia)

Susanne Jansen

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