Freude an der Polizeiarbeit gelebt

– Heinz-Dieter Bach im Ruhestand –

Lobberich (sj). Am 1. Juli geht Heinz-Dieter Bach in den Ruhestand. „Ich hätte gerne die noch ausstehenden fünf Fahrradprüfungen begleitet, die wegen Corona ausgefallen sind. Aufgrund der unterschiedlichen Anfahrtswege der zukünftigen Fünftklässler lassen sie sich leider auch nicht nachholen“, bedauert der Verkehrspolizist.

Rund 21 Jahre war Bach für Verkehrssicherheit in Kempen, Willich und Nettetal zuständig, im Jahr 2008 übernahm er die Geschäftsführung der Kreisverkehrswacht. Diese setzte sich in herausragender Weise für die Verkehrsunfall-Prävention, vom Vorschulalter bis zu den Senioren, ein.

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Untersucht Fahrräder auf Sicherheitsmängel: Heinz-Dieter Bach bei der Aktion Zweirad. Foto: Susanne Jansen

Mit Leib und Seele Polizist

Bereits in sehr jungen Jahren fand der verheiratete Vater von zwei Töchtern seinen Weg zur Polizei. „Ein Einstellungsberater der Polizei hatte sich bei uns in der Schule vorgestellt. Das, das was er über seine Arbeit erzählte, beeindruckte mich sofort. Schließlich stand dieser Polizist in Uniform, mitsamt Unterlagen, spontan bei uns zu Hause vor der Tür. Bei diesem Anblick hat meine Mutter sich erst mal sehr gewundert”, erzählt Bach schmunzelnd. Im zarten Alter von 15 Jahren bestand er bereits die Aufnahmeprüfung. „Mit 16 hatte ich meine Mittlere Reife, das Abitur war damals noch keine Voraussetzung für den Polizeidienst.“ Am 1. Oktober 1974 begann er schließlich seine Ausbildung in der Linnicher Kaserne. „Den Ort habe ich im vergangenen Jahr noch einmal aus nostalgischen Gründen mit dem Roller besucht.“ Im mehrfachen Sinne habe er diese Zeit als sehr anstrengend erlebt.

Anstrengende Grundausbildung

„Damals gab es noch die Sperrstunde: Mein Vater hat mich am Ende meiner Dienstwoche immer als Letzten abgeholt und am Sonntag als Ersten zum regulären Dienstantritt zurück gebracht.“ Die Grundausbildung glich dem Wehrdienst, mit Schießausbildung und Sport. Die Auszubildenden mussten damals mit noch viel massigeren kugelsicheren Westen und mit Waffen über improvisierte Wände und durch Fenster klettern. Das ist heute natürlich alles anders.“

Als einer von vier Bewerbern hatte Bach die Aufnahmeprüfung bestanden – insgesamt waren es in seiner Gruppe 24 Prüflinge gewesen. „Viele sind wegen einer Farbsehschwäche durchgefallen, und die psychologischen Fragen hatten es ebenfalls in sich“, erinnert er sich. Seinen Bruder hatte der sympathische Lobbericher ebenfalls „infiziert“: „Ein halbes Jahr nach mir begann er eine Ausbildung als Polizist und befindet sich auch seit kurzem im Ruhestand.“

Leidenschaftlicher Motorradfahrer

Zunächst war Bach im Wach- und Wechseldienst in Mönchengladbach tätig gewesen. Dort war es vor allem der Facettenreichtum der Polizeiarbeit in Uniform, unter anderem bei der Kriminalpolizei, der ihn von Anfang an fasziniert hatte. „Ich bewarb mich auf eine Stellenausschreibung für den Einsatz im Kreis Viersen und konnte dort anfangen – zum Glück ohne Wechseldienst.“ Da der Verkehrserzieher leidenschaftlicher Motorradfahrer ist, findet er es schade, dass der Einsatz von polizeilichen Motorrädern vor rund zehn Jahren abgeschafft wurde.“

Der ehemalige Verkehrspolizist wird ernst. „Mich hat es sehr bewegt, dass der Schulleiter des Werner-Jaeger-Gymnasiums kürzlich tödlich mit dem Motorrad verunglückt ist. Ich hatte ihn kurz zuvor bei einem gemeinsamen Termin in der Schule kennengelernt. Fünf Minuten haben wir uns über ein geplantes Schulprojekt zum Thema Verkehrserziehung unterhalten, und den Rest der halben Stunde haben wir uns über unsere gemeinsame Leidenschaft, das Motorradfahren, ausgetauscht.“ Genau eine Woche nach dem Unfall fuhr Bach mit seiner Familie in die Eifel und sprach dort ein Gebet. „Ich bin ein gläubiger Mensch.“

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Freut sich auf den Ruhestand: Heinz-Dieter Bach. Foto: Susanne Jansen

Den Ruhestand genießen

Genau 45 Jahre und neun Monate lang war der Verkehrsbeamte exakt im Dienst und hat es nie bereut. „Ganz im Gegenteil: Jede Zeit ist ein bisschen anders, aber meine Arbeit als Polizist in Nordrhein Westfalen hat mir immer viel Spaß gemacht“, resümiert der 61-Jährige entspannt und ergänzt schmunzelnd: „Und hier schließt sich der Kreis: Mit 16 begonnen, und mit dem Zahlendreher 61 verabschiede ich mich nun.“ Ich würde mir allerdings wünschen, dass sich die Menschen etwas respektvoller verhalten.“ Er habe zum Beispiel nie zwischen Deutschen und Personen mit Migrationshintergrund unterschieden, „ich habe immer nur die Menschen gesehen, ohne zu verallgemeinern oder zu stigmatisieren.“

Der Großvater von drei Enkeln (zwei ein halb Jahre, ein Jahr und acht Monate alt) genießt nun das Zusammensein mit der Familie, das Motorradfahren sowie „die Ruhe in unserem wunderschönen Garten, und ich freue mich natürlich jedes Mal, wenn meine Enkelkinder zu Besuch kommen.“ Außerdem warte er ab, ob sich von Seiten der Stadt Nettetal eine stundenweise wöchentliche Tätigkeit ergebe. Ich kann mir gut vorstellen, noch mal im kleinen Rahmen als Berater tätig sein, zum Beispiel im Umfeld der Hol- und Bring-Zone für die Grundschüler.“ Ihm habe immer die Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehern, Lehrern und Lotsen sehr am Herzen gelegen. Auch den Elternlotsen gegenüber habe er großen Respekt. „An den Lotsenstellen ist noch nie ein schwerwiegender Unfall passiert, dafür bin ich allen Beteiligten sehr dankbar.“

Was er nach 20 Jahren Verkehrserziehung verloren habe, sei das Schimpfen, stellt er lachend fest. „Ich kann nicht mehr schimpfen. Mir fallen einfach keine Schimpfwörter mehr ein, selbst, wenn ich mich am Steuer meines Autos aufregen möchte. Es geht einfach nicht.“

Text und Fotos: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen

Susanne Jansen

Ich stehe für zeitnahe Berichterstattung - regional stark, kompetent, informativ, mit Herz.

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