„Ein hohes Maß an Eigenverantwortung gefragt“

– Interview zum erneuten Lockdown (Light) –

Von Susanne Jansen

Kerstin Cremers, Christoph Hamel (beide Gesundheitsamt) und Benedikt Giesbers (Presse) vom Kreis Viersen erklären, warum ein erneuter Lockdown sinnvoll ist und wie wir uns, im Kampf gegen das Virus, verhalten sollten.

Was passiert, wenn Personen in Quarantäne gesetzt werden?

Christoph Hamel: Der Kontakt verläuft telefonisch. In regelmäßigen bis unregelmäßigen Abständen rufen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an und erkundigen sich, ob der Isolierte symptomatisch ist. Im Kreis Viersen ist es so geregelt, dass das Haus während des Quarantänezeitraums nicht verlassen werden darf. Handelt es sich um hilfsbedürftige alleinstehende Personen, können diese mit der Stadt Kontakt aufnehmen, um einen ehrenamtlichen Helfer zu bekommen. Anlaufstelle ist zum Beispiel die Seniorenberatung der Stadt Nettetal.

Wie lange dauert eine Quarantäne?

Kerstin Cremers: Die Quarantänezeit wird unterschiedlich berechnet. Wenn einer positiv getestet wurde, muss er zehn Tage in Quarantäne bleiben, und die Kontaktpersonen ersten Grades 14 Tage lang. Die Zeiträume sind festgesetzt und können nicht durch einen negativen Test verkürzt werden.

Wie gehen die Betroffenen mit der Festsetzung der Quarantäne um?

Kerstin Cremers: Es gibt Menschen, die ankündigen, sich nicht daran halten zu wollen. Aber das sind absolute Einzelfälle. Die Überwachung liegt hier den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden. Bisher scheint hier alles ordentlich abgelaufen zu sein.

Wer bewertet die Symptome des Isolierten?

Christoph Hamel: Das sind Erstermittler – Ärzte oder medizinisches Personal. Sie versuchen mit Hilfe ihrer Erfahrung und durch Austausch mit anderen Gesundheitsämtern, den Infektionsweg und die Infektionsquelle herauszufinden. Ist jemand Kontaktperson ersten Grades, können sich die Familienmitglieder, als Kontakt zweiten Grades, bei getrennten Schlaf- und Badezimmern, in der Öffentlichkeit bewegen, zum Beispiel um die notwendigen Einkäufe erledigen. In der Regel ist dies aber nicht der Fall, da die Räumlichkeiten dieses Modell eher selten ermöglichen, so dass meistens alle Familienmitglieder isoliert werden.

Wie verläuft der PCR-Test und was sagt das Ergebnis aus?

Christoph Hamel: Es werden Abstriche aus dem Nasen- und Rachenraum genommen. Dies geschieht mit Hilfe eines klassischen PCR Tests. Hier gibt es unterschiedliche Hersteller, aber die Testmethode ist immer dieselbe. Die von unserem Gesundheitsamt verwendeten Tests haben eine sehr hohe Spezifität. Das heißt: Sie zeigen im Bereich von 90 Prozent das richtige Ergebnis an. Natürlich kann es vorkommen, dass es falsch positive oder falsch negative Ergebnisse gibt. Für falsch positive gibt es einen Toleranzbereich. Geht einer vorbehaltlich eines nicht eindeutigen Tests in Quarantäne, ist es für den Infektionsschutz besser, als wenn einer falsch negativ ist und sich in der Öffentlichkeit bewegt. Uns ist nicht bekannt, dass es bisher zu einer Masse an falschen Ergebnissen gekommen ist.

Ist es möglich, dass der PCR Test fälschlich andere Coronaviren nachweist?

Christoph Hamel: Das ist eine sehr medizinische Frage, da müssten wir im Detail noch mal mit den Ärzten Rücksprache halten. Uns ist das aber so nicht bekannt. Bei dem PCR Test wird ja das konkrete Erbmolekül des SARS-CoV-2 nachgewiesen.

Wie geht es nach dem so genannten Lockdown (light) weiter?

Christoph Hamel: Wir hoffen, dass durch den erneuten Lockdown die Infektionsketten per se unterbrochen werden, weil so eben keine größeren Menschenmassen mehr zusammen kommen können. Man wird aber, aufgrund der hohen Inkubationszeit, erst nach 14 Tagen sehen, ob die Zeit noch verlängert wird, oder ob im neuen Jahr weitere Maßnahmen getroffen werden.

Benedikt Giesbers: Hier ist, wie gesagt, ein hohes Maß an Eigenverantwortung gefragt. Wir haben ja schon mal eine Grafik veröffentlicht, um dazustellen, wie sich ein Kontakt mit zwei Personen auswirkt. Haben alle im Privatbereich hypothetisch vier bis sechs Kontakte, sind es schnell rund 160 Leute, die zum Cluster gehörten. Deshalb müssen Kontakte drastisch reduziert werden. Denn auch durch kleinere Familienfeiern können eben ganz schnell Infektionsketten entstehen. Bei hoch frequentierten Arbeitsstätten wie zum Beispiel Schulen ist das strenge Einhalten der Hygienekonzepte enorm wichtig.

Wie sieht die Auslastung des Gesundheitsamtes seit Beginn der Pandemie aus?

Benedikt Giesbers: Zu Beginn des Jahres gab es 25 Neueinstellungen, und 30 Mitarbeiter wurden intern umgesetzt. Hier stand die Kontaktverfolgung der Infizierten an erster Stelle. Auf Anfrage bei der Bundeswehr bekamen wir nun 24 Arbeitskräfte dazu, und wir suchen auch noch externe Helfer.

Wie sieht es mit der Immunität, hinsichtlich COVID-19, aus? Zum Beispiel: Könnte ich zum Arzt gehen und Immunität gegen das Virus nachweisen lassen? Und sagen wir mal, es wird tatsächlich eine Immunität festgestellt, zum Beispiel weil die Krankheit offensichtlich symptomlos verlief, und dies wird bescheinigt. Müsste ich dennoch in Quarantäne, wenn ich mit einem positiv Getesteten Kontakt hatte? Wäre es deshalb nicht auch sinnvoll, auf Immunität zu testen? Benedikt Giesbers: „Aus Sicht des Kreis Viersen lassen sich diese Fragen leider – noch – nicht beantworten, weil das Virus noch nicht ausreichend erforscht ist. Ebenso zeigt sich, dass auch eine einmalige Infektion nicht zur Immunität führt. Aktuell sind auch dem Kreis Viersen bereits Doppelinfektionen bekannt. Menschen, die bereits infiziert waren, müssen somit genauso in Quarantäne wie alle anderen.“

Wann ist eine Impfung sinnvoll?

Christoph Hamel: Das lässt sich am besten aus ärztlicher Sicht beurteilen. Letztendlich wird es vermutlich keine Impfpflicht geben. Allerdings erwarten wir eine hohe Nachfrage. Wir erhoffen uns vom Robert-Koch-Institut oder dem Land Vorgaben, wer nach welcher Priorität eine Impfung er halten soll. Grundsätzlich sollten bei Impfungen auch die Empfehlungen der STIKO und des RKI beachtet werden. Es wird schließlich die eigene persönliche Entscheidung bleiben, ob man sich impfen lässt oder nicht.

Kerstin Cremers: Medikamente, insbesondere auch der Corona-Impfstoff, unterliegen in Deutschland strengen Bestimmungen, bis eine Zulassung für den Markt erfolgt. Um in Deutschland zugelassen zu werden, müssen Impfstoffe eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Sie richten sich unter anderem nach dem Arzneimittelgesetz, dessen Zulassungsvoraussetzungen streng reglementiert sind. Eine Impfung sollte auch mit dem Hausarzt ab gesprochen werden, da er die Risiken, in Absprache mit der jeweiligen Person, evaluieren kann. Aktuell ist es wichtig, zu Hause zu bleiben und die Kontakte zu reduzieren, damit auch die Gesundheitsämter entlastet werden.“

Das Interview führte Susanne Jansen für die Medienagentur Niederrhein. 

Foto: Tanja Bielen

Susanne Jansen

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