Vom Staat mehr Vertrauen erwünscht

– Die Gastronomen wollen Kreativität beweisen –

Von Susanne Jansen

Hinsbeck. “Ich finde es schade, dass die Gastronomen während der Pandemie so wenig Gelegenheit bekamen, ihre Kreativität langfristig unter Beweis zu stellen. Von der Regierung würde ich mir ein bisschen mehr Vertrauen wünschen. Wir haben uns zuverlässig an alle Vorschriften gehalten und auf deren Einhaltung geachtet“, sagt Michael Fegers, Inhaber des Forsthaus Hombergen, und weist darauf hin, dass auch seine Kollegen äußerst aktiv und kreativ geworden seien. Er selbst bietet keine Abholung von Speisen an, da sein Restaurant weit außerhalb liegt und er befürchtet, dass die Ware unter Umständen nicht abgeholt werde. „In unserem Innen- und Außenbereich haben sich unsere Gäste immer sehr wohl gefühlt, und wir haben ja ein Interesse daran, dass alle gesund bleiben. Es wäre schön, wenn wir hier ein paar Chancen bekämen, zu zeigen, dass wir uns sehr moderat und umsichtig verhalten.“

Im nächsten Monat hätte der Gastronom sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert. „Wir wollen darauf auch nicht vollständig verzichten und überlegen uns für den Verlauf des Sommers verschiedene Aktivitäten, die Corona konform sein werden.“ Mit einer Öffnung der Außengastronomie rechnet Fegers frühestens im April. „Was aber in unseren Breiten eher ungünstig ist; das kann man nicht mit den mediterranen Gefilden vergleichen. Bei uns kann es noch sehr kalt und nass werden.“ Das bringe auch eine deutliche Planungsunsicherheit mit sich, da Ware nicht in großem Umfang gekauft werden könne.

„Nach dem ersten Lockdown hatten wir einen super Sommer, unsere Gäste haben sich an alles gehalten und wir haben durch den Umsatz vieles herausholen können. Ab November das dann leider alles wieder hinfällig. Ich finde, die Bundesregierung sollte nicht so auf Bürokratie setzen, sondern mutiger sein.“ Aber umgekehrt, in der kommenden Osterzeit wieder Familien zusammen zu führen, sei auch nicht ganz ungefährlich.

„Wir bleiben sehr gespannt, wo die Reise demnächst grundsätzlich hingeht.“ Ein gewisses finanzielles Polster sei vorhanden, was aber bedeutet, dass er es sich vom Altersbudget abzwackt. Die beantragten Hilfen von November und Dezember bekam der Gastronom mittlerweile ausgezahlt. Auf das Geld für Januar bis März wartet er noch. „Mir tun vor allem die Kollegen leid, die erst seit wenigen Jahren selbstständig sind. Ihre  Existenz ist sehr bedroht, obwohl sie außerordentlich gute Konzepte haben und zukunftsorientiert arbeiten. Das ist schon sehr bitter! Sie kommen unverschuldet in Notsituationen, da hängen Familien und Mitarbeiter dran.“

Er sei kein Pessimist, so betont er, „ich bin jemand, der irgendwie in allem noch etwas Positives sieht. Aber es ist nicht leicht. Demnächst können wir wieder öffnen und Umsatz machen, aber ob das auch für unsere seit langem treuen Mitarbeiter reicht, wird sich noch herausstellen. Das ist ohne Tagesbetrieb schwierig. Und unsere Tochter, die gemeinsam mit ihrem Mann das Restaurant übernehmen wollte, hat sich das auch anders vorgestellt.“

Von der Bundesregierung wünsche er sich mehr Mut und Vertrauen. Die Älteren müssen geschützt werden, und wer nicht raus will, zum Beispiel essen gehen, der muss ja auch nicht. Angst ist ein schlechter Ratgeber. „Ich denke, man sollte sich grundsätzlich mit dem Gedanken anfreunden, dass man mit dem Virus leben muss. Es wird uns noch viele Jahre begleiten, so viele andere Viren auch.“ Die wirtschaftlichen Folgeschäden bahnten sich an, seien aber in ihrer Endgültigkeit noch gar nicht abzusehen. „Unsere Branche ist immer mit vielen Kosten verbunden, mancher ist bereits hoch verschuldet. Da arbeitest du unter Umständen dein ganzes Leben, um das wieder los zu werden.“

Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen, Fotos: Marcus Faahsen und Susanne Jansen

Susanne Jansen

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