– Bewegung, Gefühl und die Kunst des Menschseins –
Von Susanne Jansen
Süchteln/Nettetal. 40 Jahre lang arbeitete Professorin Annette Schulz als Tanzpädagogin, seit dem Jahr 1990 erfüllte sie in Boisheim ihre Räume mit Bewegung, Musik und Farbe – nicht durch eigene Auftritte, sondern als Choreografin und Begleiterin. Im Oktober schloss sie ihre staatlich anerkannte Tanzschule endgültig. „Ich habe mich beruflich verändert und biete nun meine Dienste als Tanztherapeutin für Einzelpersonen an“, erzählt sie lächelnd.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben unter ihrer Anleitung gelernt, sich tänzerisch auszudrücken, ihre Gefühle zu zeigen und so ihre persönliche Geschichte einfließen zu lassen, ausschließlich durch Bewegung. „Am Anfang war ich sehr vorsichtig“, erzählt Schulz mit leiser Ehrfurcht in der Stimme. „Ich fragte mich, ob die Menschen verstehen würden, was ich vermitteln wollte. Nicht jeder Text, jede Emotion lässt sich in Worte fassen. Aber durch Tanz können sie es fühlen.“
In Bewegung setzen
Von kleinen Kinderaufführungen bis zu großen Inszenierungen, später in der Alten Kirche Lobberich, begleitete sie ihre Schüler auf ihrem Weg, Persönlichkeit und Emotionen in Bewegung zu übersetzen. „Es ging mir nie darum, bekannte Ballette zu wiederholen. Ich wollte, dass die Tänzer und Tänzerinnen etwas sagen können, durch ihren Tanz, nicht durch vorgegebene Schritte. Am Anfang ist man vorsichtig, man fürchtet, dass es vielleicht nicht verstanden wird. Doch wenn man sieht, wie Menschen sich öffnen und wachsen, und wie die Zuschauer schließlich begeistert Applaus spenden, dann offenbart sich, dass alles richtig war“, versichert sie strahlend.
Mit der Zeit wurden die Choreografien immer größer, tiefgründiger. Stücke wie „Credo“ oder „Mich dürstet“ waren bewegende Reisen in die inneren Welten der Mitwirkenden. „Jede Tänzerin, jeder Tänzer bringt seine Persönlichkeit ein, seine Sicht auf die Welt. Wir haben gezeigt, dass schon die Frauen in der Bibel eigenständig und stark waren, nicht nur Begleiterinnen der Männer. Bewegung holt das, was zum Teil verborgen scheint, in den Vordergrund.“ Ballett sei ein mit Feingefühl verbundenes Handwerk, vergleichbar mit dem Erlenen einer Sprache. „Man muss Formen, Bewegungen und das klassische achteckige Gitternetz im Raum kennen, bevor man Emotionen tänzerisch ausdrücken kann. Ich zeige den Kindern, wie sie sich bewegen und so Gefühle übersetzen können.“
Intensive Fulminanz
Zuschauer reagierten beeindruckt und berührt, auch bei der letzten Vorstellung ‘Mich dürstet‘, einer Reise durch die Wüste, bei der die Mutter nicht überleben werde, war die Resonanz fulminant. „Und alle, jede einzelne Tänzerin, haben auch hier innerlich etwas erfahren und haben sich verändert, eine Form der individuellen Heilung.“ Das Wasser als vielfältiges Symbol für Leben, Reinigung, aber auch für Gefahr. „Die Kinder haben verstanden, dass bei dieser Reise niemand allein gelassen wird. Das war für alle eine äußerst intensive Erfahrung.“
Neben der umfangreichen Ausbildung profitiert sie hier von ihrem besonderen Talent, den Menschen automatisch holistisch wahrzunehmen, quasi alles zu sehen, was den Menschen ausmacht. „Ich sehe nicht nur den begabten Tänzer. Viele Kinder, vor allem Jugendliche, verbringen mehr Zeit mit mir als mit ihren Eltern. Ich erkenne, wann sie Unterstützung brauchen, Mut, Ermutigung oder einfach einen Raum, in dem sie sich spüren können.“
Nach Jahrzehnten als Tanzpädagogin, mit öffentlichen Veranstaltungen, aber ohne die Sehnsucht nach einer großen Bühne, habe die 71-Jährige nun bewusst einen neuen Weg gewählt: „Mit der letzten Ballettveranstaltung habe ich alles gesagt, was ich wollte. Ich empfange jetzt Kinder, die in Bewegung, im Umgang mit anderen oder mit sich selbst Unterstützung brauchen. Oft genügt Zuwendung, um etwas zu verändern. Bewegung hilft ihnen, sich selbst zu spüren, gerade in einer Zeit, in der echte Gefühle kaum noch gezeigt werden dürfen.“ Das finden sie bei der Tanztherapeutin in ihrem schönen Tanz- und Bewegungsraum auf der Hans-Willy-Mertens-Straße 13 in Süchteln.
Begleiten beim Wachsen der Menschen
Einige Ehemalige bleiben bei ihr, weil sie den emotionalen Wechsel noch nicht verkraftet haben, so erzählt sie. Andere, besonders Begabte, eventuell auf dem eigenen Weg zum professionellen Tanz, werde sie weiter unterstützen. „Meine Bühne war immer die Arbeit selbst, das unterstützende Begleiten und beim Wachsen der Menschen.“
Heute, einen Monat nach Beginn ihrer neuen Tätigkeit als Tanzpädagogin, strahlt sie. „Es ist wunderbar, weiterhin nah‘ bei den Menschen zu sein und ihre Entwicklung zu begleiten. Genau darum geht es mir.“
Weitere Informationen und Anfragen: annette.schulz@web.de
Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen
Titelbild (Susanne Jansen): Passionierte und sensible Tanztherapeutin: Annette Schulz.




