Noch lange kein Stillstand


– Günther Tlotzek hielt Rateteam auf Trab –

Von Susanne Jansen

Kaldenkirchen/Hamburg. Er hielt das Rateteam von „Kaum zu glauben“ schwer auf Trab: Schaukelpferdsammler Günther Tlotzek aus Kaldenkirchen ist topfit! „Körperlicher Verschleiß ist in meinem Alter vorhanden, aber der Kopf ist noch voll da. Das ist das Wichtigste! Das habe ich mir als Kind immer gewünscht“, erzählt der 98-Jährige entspannt. Gemeinsam mit seinem Sohn Hartmut reiste der Kaldenkirchener nach Hamburg, wo beide für drei Tage Apartments in der Speicherstadt bewohnten. „Natürlich haben wir uns auch die Hansestadt angesehen, aber vor allem war ich auf den NDR gespannt“, erinnert sich Tlotzek lächelnd.

Vertreter diverser Fernsehsender zu empfangen, ist für Tlotzek, der mit 4.000 Objekten die größte Schaukelpferdsammlung weltweit sein Eigen nennen darf, nichts Besonderes. „Alle haben schon über mich und mein außergewöhnliches Hobby berichtet. Aber mit Eitelkeit hat meine erneute Reise in die Fernsehwelt nichts zu tun. Ich habe mich in erster Linie darauf gefreut, beim Norddeutschen Rundfunk mal hinter die Kulissen zu schauen. Das Gelände des Senders ist fast eine Kleinstadt für sich! Ein ganz besonderes Abenteuer! Und ich habe viele interessante und sehr nette Menschen kennen gelernt, zu denen ich immer noch Kontakt habe.“

Die Vorbereitungen zur Sendung, die bereits Ende Juli ausgestrahlt wurde, hatten ihn zunächst überrascht. „Es ging alles sehr penibel von Statten. Jede Sendung wird erst auf Probe begonnen, um zum Beispiel den Ton akkurat einzustellen. Das war natürlich auch ein bisschen stressig für mich. Aber vor allem habe ich dieses ganze Abenteuer sehr genossen.“ Im Gegenzug war Moderator Kai Pflaume ebenfalls sichtlich beeindruckt von seinem hoch betagten Besucher. „Sie sind mit 98 Jahren ein Stück der Geschichte dieser Sendung!“, begrüßte er seinen ältesten Gast seit Beginn der Fernsehserie, die im Jahr 2014 erstmals ausgestrahlt worden war.

Der primäre Hinweis „Günther kommt einfach nicht voran“ sorgte für besondere Erheiterung im Publikum und provozierte staunende Gesichter im Rateteam. Als sich offenbarte, dass es sich bei Tlotzeks Herzensangelegenheit um ein Sammelobjekt handelt, fragte Jörg Pilawa: „Habe ich das auch zu Hause?“ Pflaume parierte schlagfertig und erntete schallendes Gelächter. „Wir kennen deine Vorlieben nicht, Jörg.“ Bernhard Hoecker wollte wissen: „Hat es etwas mit Tieren zu tun?“, woraufhin Pflaume bejahte und Tlotzek verneinte – beide im Chor, was den Moderator sehr erheiterte. Das führte Hubertus Meyer-Burckhardt vollends auf die falsche Spur: „Tiere – ja, nein. Vielleicht sammeln Sie Schneckenhäuser?“ Pilawa sinnierte weiter: „Günther hat die größte Sammlung an Reifen – er kommt ja nicht voran.“ Und Hoecker überlegte laut: „Er hat die größte Sammlung an Fahrradbremsen.“ Aber auch Stephanie Stumph blieb ratlos.

Schließlich gratulierte der Moderator strahlend dem frisch gebackenen Gewinner: „Das war alles falsch! Deswegen Günther, herzlichen Glückwusch zu 1.000 Euro!“ Schon vor der Sendung stand für den Kaldenkirchener fest, was er mit dem jeweiligen Geldgewinn anstellen würde. „Ich habe es umgehend für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet“, sagt er lächelnd. Im anschließenden Einspieler, zum Ende der Raterunde, bekamen die Zuschauer Tlotzek inmitten seiner umfangreichen Sammlung präsentiert. Der Kommentator scherzte: „Mit stolzen 98 Jahren ist Günther Tlotzek immer noch ganz schön hoch zu Ross! Über 50 Jahre im Dienst der Schaukelpferde – das ganze Haus ist ein Pferdestall!“ Tlotzek freut sich: „Die Reise zum Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Tlotzek-3-1-scaled.jpgNDR und meine damit verbundenen Erlebnisse zählen zu den schönsten meines Lebens.“

Und das war nicht immer leicht. Tlotzek ist einer der letzten aktiven Zeitzeugen, „kein alter Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern ich wurde bereits im Alter von 19 Jahren eingezogen, war drei Jahre lang als Soldat in Russland im Einsatz und danach leider fünf Jahre in sibirischer Gefangenschaft.“ Der 98-Jährige war verheiratet, hat drei Söhne und eine Tochter und stand im Alter von 50 Jahren unmittelbar vor einem Herzinfarkt. „Ich habe mein ganzes Leben umgestellt. Auch das Rauchen habe ich aufgegeben.“ Seine Frau starb viel zu jung an Krebs, er hatte eine weitere Lebensgefährtin, die ebenfalls bereits vor Jahren starb. „Der Schmerz lässt nach. Die Traurigkeit geht nie ganz weg. Aber man lebt wieder auf.“

Zu seinem 98. Geburtstag hat die Familie des Kaldenkircheners, der fünf Enkel und sechs Urenkel hat, vor dem Haus einen Rotdornbaum mit einem Schild davor gepflanzt. „Das ist ein Denkmal für die Zeit, wenn ich mal nicht mehr da bin. Mein Vermieter, die Baugesellschaft, war so begeistert, dass sie anboten, zu meinem 100. Geburtstag ein zweites Bäumchen daneben zu setzen.“ Seinem runden Geburtstag fiebert der Kaldenkirchener schon jetzt entgegen, wie er gerne bei Facebook erwähnt. Bis dahin sind es noch anderthalb Jahre. Durch tägliche Postings, mit persönlichen Gedanken, Erinnerungen und Fotos, erzählt der Buchautor von seinem bewegten Leben und vielen ehrenamtlichen Hilfsaktionen. So hat er sich ein Netzwerk mit über 2.000 Kontakten und Freundschaften weltweit aufgebaut. „Das Übersetzungsprogramm von Google hilft mir dabei“, sagt er augenzwinkernd.

Tlotzek empfängt gerne Besucher, sogar aus Amerika. Auch Einladungen in die USA gibt es. „Das kommt leider ein paar Jahre zu spät. Das ist mir in meinem Alter zu anstrengend. Aber ich freue mich und bin sehr dankbar, dass ich viele Menschen erreichen kann, um über die schrecklichen Geschehnisse und Irrungen und Wirren des Krieges zu berichten, in der Hoffnung, dass so etwas nie wieder passieren möge!“

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Text, Archivbild und Screenshots: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen