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„Und wird die Welt auch immer schräger…wir sind und bleiben Kiependräger“


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Das jecke Dreigestirn der Wölese: zwischen Tradition, Freundschaft und echter Lebensfreude

Von Susanne Jansen

Für Prinz Peter III. (Nisters), Jungfrau Martin/a (Engels-Flüggen) und Bauer Christian (Domke) ist Karneval ein Gefühl – eines, das verbindet, prägt und Generationen überdauert. Das aktuelle Dreigestirn der Wölese steht exemplarisch für das, was rheinisches Brauchtum im Kern ausmacht: Gemeinschaft, Humor und Herzblut.

Bei Prinz Peter III. ist die karnevalistische Leidenschaft tief verwurzelt. Sein Vater war bis 1986 Sitzungspräsident der Wölese und hinterließ nicht nur große Fußstapfen, sondern auch einen wiederkehrenden Satz, der bis heute nachhallt: „…und schließen Sie den Wöles in ihr Nachtgebet ein“. Nach dessen frühem Tod wurde diese Tradition weitergetragen, erst von Paul Lienen, später von Peter selbst, der 1990 dem Verein beitrat. Der Prinz gerät ins Schwärmen: „Für mich ist Karneval bunte Erinnerung, besondere Verantwortung und eine mit Herzblut gelebte Vereinsgeschichte in einem.“

Jungfrau Martin/a fand seinen Weg etwas später, aber dafür umso bewusster. Als begeisterter Gast vieler Wölese-Veranstaltungen ließ er sich 2006 schließlich überreden, selbst aktiv auf die Bühne zu gehen. Was ihn schon als Kind faszinierte – das Verkleiden, die bunten Umzüge, das besondere Kribbeln des Tulpensonntags-, wurde schnell zur festen Konstante im Leben. „Zuerst war ich nur Zuschauer, jetzt kann ich mich mit viel Begeisterung und sehr kreativ selbst einbringen“, erzählt er strahlend.

Ganz anders begann die jecke Reise von Bauer Christian. Geboren in Pforzheim, kam er als Vierjähriger nach Nettetal, mitsamt schwäbischem Dialekt, der im Kindergarten zunächst für Verständigungsprobleme sorgte. „Doch gerade Kinder sind da sehr findig: Wo Worte fehlen, helfen Hände, Füße  und der Karneval“, stellt er grinsend fest. Über die Tanzgarde, die Nachbarschaftsgemeinschaft und schließlich als Kinderprinz, fand Christian nicht nur Anschluss, sondern auch seine karnevalistische Heimat. Mit 16 Jahren trat er, wie sein Vater zuvor, den Wölesen bei.

Dass diese drei schließlich gemeinsam als Dreigestirn auftreten würden, war lange nicht geplant – und gerade deshalb so typisch für den Karneval. Nach der Prinzenproklamation 2019, mit ein wenig Großspurigkeit, „Stammtischgeklöne“ und dem legendären „Jou, wir machen das!“, nahm die ursprüngliche „Schnapsidee“ Gestalt an – zur großen Freude des Vereins.

Natürlich bringt ein solches Engagement unzählige Anekdoten mit sich. Peter erinnert sich lachend an einen frühen Bühnenauftritt, der grandios scheiterte und gerade deshalb vom Publikum legendär gefeiert wurde. Dazu gehörte noch ein mehrjähriges Auftrittsverbot und die unglaublichen „Beerdigungen des Erklärbären“. Martin freut sich noch im Nachgang über eigene Proklamation: „300 erwartungsvolle Gesichter, gespannte Neugier, pure Gänsehaut!“ Und Christian erinnert sich gerne an kunterbunte Kinderkarnevalspartys, bei denen ein einziges ‚Konterbierchen‘, im besten karnevalistischen Sinne, regelmäßig den Verlauf des gesamten Sonntags veränderte.

Wie hat sich der Karneval im Laufe der Zeit verändert? „Früher dauerten Büttenreden 40 Minuten, heute wird schneller gefeiert und perfekter inszeniert. Die Kostüme sind aufwendiger und die Erwartungen höher.“ Aber genau in Letzterem sehen Martin und Christian auch eine Gefahr: „Karneval ist nicht perfekt – Karneval ist das Leben. Es geht um Freude, um Begegnung und das gemeinsame Lachen, nicht darum, dass alles immer glatt läuft. Gerade wenn etwas Unerwartetes passiert, sind das die besonderen Momente, an die sich alle immer wieder erinnern und darüber noch viele Jahre später erzählen, gemeinsam lachen und sagen: Weißt Du noch…?!“

Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen. Fotos: Vera Gäbler und privat

Susanne Jansen

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