– Wenn Menschlichkeit und Zusammenhalt erlebbar Früchte tragen –
Susanne Jansen
Nettetal. Aus einer spontanen Eingebung entwickelte sich vor 25 Jahren eine Institution: Mehr als 80 Ehrenamtliche der Nettetaler Tafel setzen sich heute für rund 540 Haushalte mit etwa 1.300 Menschen ein. „Ein Vierteljahrhundert gelebte Solidarität, Menschlichkeit und Nächstenliebe. Ein Vierteljahrhundert, in dem Menschen für Menschen da waren und es immer noch sind!“ Mit diesen Worten brachte der Vorsitzende Bernhard Spaniol beim Jubiläumsfest auf den Punkt, wofür die Nettetaler Tafel bis heute steht.
Die Feier am Donkelsvennweg war deshalb nicht nur ein Rückblick auf die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre, sondern vor allem ein großes Dankeschön an all jene, die die Tafel mit ihrem Einsatz zu einer unverzichtbaren Einrichtung in Nettetal gemacht haben.
Von der Zufallsbegegnung zur Erfolgsgeschichte
Dass aus einer zufälligen Begegnung einmal eine derart beeindruckende Erfolgsgeschichte entstehen würde, hätte im Jahr 2000 wohl niemand geahnt. Ausgerechnet ein heftiges Gewitter über Kaldenkirchen führte Hermann und Christl Hecker damals mit Schwester Laetitia zusammen. Auf der Suche nach Schutz fanden sie Zuflucht im „Franzens-Hüsken“, der Wohnung der Steyler Ordensschwester. Sie engagierte sich in der Pfarre St. Clemens Kaldenkirchen – zuvor bereits in Mönchengladbach – mit großem Einsatz für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Im Gespräch schilderte Schwester Laetitia die Not vieler Asylbewerber und anderer hilfsbedürftiger Menschen in Nettetal. Sie suchte Mitstreiter, die ihre Arbeit unterstützen wollten. Hermann und Christl Hecker ließ diese Begegnung nicht mehr los. In den folgenden Monaten schlossen sich weitere Engagierte an. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Kreis der Hilfesuchenden weit über Asylbewerber hinausging.
So entstand die Idee, nach dem Vorbild der Mönchengladbacher Tafel auch in Nettetal eine eigene Tafel zu gründen. Aus dem Gedanken wurde schnell Tatkraft: Bereits am 6. März 2001 gründeten die Initiatoren den Verein – der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.
Freundlichkeit und Respekt
Was mit rund 30 Ehrenamtlichen, einem Lieferwagen und der Versorgung von etwa 40 Menschen begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer festen Säule des sozialen Lebens in Nettetal. Heute sammeln vier Fahrzeuge Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien und Landwirten ein. Moderne Kühltechnik sorgt für eine sichere Lagerung, außerdem setzt die Tafel inzwischen auf Elektromobilität und Photovoltaik.
Doch hinter diesen Zahlen stehen vor allem Menschen. Ehrenamtliche übernehmen Woche für Woche Verantwortung, während Familien, Alleinerziehende, Senioren sowie Menschen, die durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder andere Schicksalsschläge in Not geraten sind, auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind.
Besonders beeindruckend ist das Engagement der über 80 Ehrenamtlichen. Frühmorgens holen sie Lebensmittel ab, sortieren sie, organisieren die Ausgabe und begegnen den Besucherinnen und Besuchern stets mit Freundlichkeit, Respekt und Wertschätzung. Für Bernhard Spaniol verkörpert genau dieses Engagement den Kern einer starken Gemeinschaft: Niemand werde allein gelassen.
Auch Christian Küsters würdigte die Arbeit der Ehrenamtlichen ausdrücklich. Ihr Einsatz verbinde soziale Verantwortung in vorbildlicher Weise mit nachhaltigem Handeln, indem sie Menschen helfen und gleichzeitig Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren. Besonders beeindruckt habe ihn bei gemeinsamen Fahrten mit dem Ausgabeteam die Herzlichkeit und der respektvolle Umgang mit den Menschen.
Breite Unterstützung und Ehrung
Zum Erfolg der Nettetaler Tafel trägt auch die breite Unterstützung aus der Stadtgesellschaft maßgeblich bei. Unternehmen, Landwirte, Supermärkte und zahlreiche private Spender sichern ebenso den Fortbestand der Einrichtung wie die katholische Kirchengemeinde St. Clemens, die seit vielen Jahren die Mietkosten für den Standort am Donkelsvennweg übernimmt.
Zum Jubiläum dankte Spaniol allen, die die Nettetaler Tafel aufgebaut und über die Jahre getragen haben. Besonders würdigte er die Gründer sowie die bisherigen Vorsitzenden Hermann Hecker, Hans Aldenkichs, Michael Althoff und Georg Rennen, die die Entwicklung der Tafel entscheidend geprägt hätten. Stellvertretend für viele Engagierte wurden Mitgründer Bernhard Müller für seinen langjährigen ehrenamtlichen Einsatz sowie Rita Viecenz für 15 Jahre Engagement in der Einsatzplanung besonders geehrt.
Mit Zuversicht in die Zukunft
Bei aller Freude über das Erreichte richtete sich der Blick auch nach vorn. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass wirtschaftliche Krisen, steigende Lebenshaltungskosten und gesellschaftliche Veränderungen den Bedarf an Unterstützung eher wachsen ließen. Deshalb appellierte Spaniol, das Jubiläum nicht nur als Anlass zum Feiern zu verstehen, sondern zugleich als Auftrag, den Geist der Solidarität weiterzutragen und die Arbeit der Nettetaler Tafel auch künftig nach besten Kräften zu unterstützen.
Weitere Informationen: https://www.nettetaler-tafel.de/
Chronik der Nettetaler Tafel
- 15. Januar 2001: Erste beratende Gründungsversammlung der Nettetaler Tafel und Verabschiedung der ersten Vereinssatzung.
- 6. März 2001: Offizielle Gründung der Nettetaler Tafel, rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich von Beginn an.
- April 2001: Erste Tour mit einem Lieferwagen und Lebensmittelspenden der Firma Esch. Versorgung von rund 40 Kunden. Die Lebensmittel werden noch direkt bis an die Haus- oder Wohnungstür geliefert.
- 2001: Einrichtung des ersten Warenlagers auf dem Hof der Familie Michèl und Birgit Dlugay im Bruch in Kaldenkirchen.
- Sommer 2002: Anschaffung des ersten Kühlwagens (Ford VIE-NT 131). Finanzierung mit Unterstützung des Lions Clubs Nettetal und weiterer Förderer.
- Frühjahr 2003: Umstellung auf 15 mobile Verteilstellen, heute umfasst das Netz 22. Zahl der Lebensmittelsponsoren steigt auf 29.
- Juni 2004: Einbau einer gebrauchten Kühlzelle, ermöglicht durch die Unterstützung des Lions Clubs Nettetal.
- Sommer 2005: Umzug in eine größere Halle an der Steyler Straße, gemeinsame Nutzung mit dem Verein „Helfende Hände e. V.“. Anschaffung des ersten eigenen Transportfahrzeugs (ehemaliges Postfahrzeug).
- September 2005: Bezug der heutigen Lagerhalle am Donkelsvennweg 10. Deutlich mehr Lagerfläche sowie Wasser- und Stromanschluss. Die Kirchengemeinde St. Clemens übernimmt bis heute die Mietkosten.
- 2005: Stetiges Wachstum, bereits 302 Haushalte mit insgesamt 719 Erwachsenen und Kindern werden unterstützt.
- Sommer 2006: Weitere Modernisierung und Einbau einer großen Kühlzelle.
- 2015: Ersatz des bisherigen Kühlfahrzeugs durch ein modernes.
- 2023: Dank einer großzügigen Förderung der Deutschen Fernsehlotterie Anschaffung eines neuen Fahrzeugs.
- 2024: Einbau einer Tiefkühlzelle und Installation einer Photovoltaikanlage mit Wallbox.
- 2025: Anschaffung des ersten E-Fahrzeugs im Fuhrpark, konsequenter Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit.
Heute: Gut aufgestellt für die Zukunft. Vier Fahrzeuge holen und verteilen täglich Lebensmittel. Langfristiges Ziel: vollständige Umstellung des Fuhrparks auf Elektroantrieb. Anschaffung einer Kistenspülmaschine zur Erfüllung hoher Hygienestandards.
Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen. Titelbild (von links): Bernhard Müller, Rita Viecenz und Bernhard Spaniol. Foto: Heinz Koch





