– Zwischen Sparzwang und Stadtkultur? Wasserspiel sorgt für Streit –
Von Susanne Jansen
Lobberich. Das Wasserspiel auf der Von-Bocholtz-Straße wird in diesem Sommer nicht mehr in Betrieb genommen und soll nach dem Willen der Stadt dauerhaft stillgelegt werden. Während die Verwaltung die Entscheidung mit hohen Reparatur- und Unterhaltungskosten begründet, fordert der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Lobberich zumindest einen letzten Versuch der Inbetriebnahme sowie vor allem eine schnelle Neugestaltung der Fläche.
Mit einem Schreiben an Bürgermeister Christian Küsters, die Fraktionsvorsitzenden und die Ausschussvorsitzenden hat sich der VVV in die Diskussion eingeschaltet. Der Verein warnt davor, dass mit dem Aus des Wasserspiels eine zentrale Fläche der Innenstadt ihren Charakter verlieren könnte. „Das Abschalten des Wasserspiels darf nicht dazu führen, dass an der Stelle nunmehr eine Betonwüste entsteht“, heißt es in dem Schreiben.
Das Wasserspiel war 2013 im Zuge der Umgestaltung der Lobbericher Innenstadt entstanden. Finanziert wurde es durch Spenden, die der VVV auf Wunsch der damaligen Stadtverwaltung eingeworben hatte. Anschließend ging die Anlage per Schenkungsvertrag in das Eigentum der Stadt Nettetal über, die seitdem für Betrieb und Unterhaltung verantwortlich ist.
Technische Probleme begleiteten das Wasserspiel allerdings von Beginn an. Immer wieder kam es zu Störungen und kostspieligen Reparaturen. Dennoch gelang es bislang regelmäßig, die Anlage rechtzeitig zur Sommersaison in Betrieb zu nehmen.
Mit der angespannten Haushaltslage änderte sich jedoch die Perspektive. Bereits im vergangenen Jahr war das Wasserspiel als freiwillige Leistung Teil der städtischen Sparüberlegungen. Nun soll die Einsparmaßnahme endgültig umgesetzt werden.
Anfang Juni suchten VVV-Vorsitzender Ralf Stobbe und Vorstandsmitglied Dietmar Sagel deshalb das Gespräch mit Bürgermeister Christian Küsters. Nach Vorlage eines technischen Sachstandsberichts und einer Kostenaufstellung entschied der VVV-Vorstand am 17. Juni mit großer Mehrheit, auf die Forderung nach einem Neubau zu verzichten. Stattdessen setzt sich der Verein für einen geordneten Übergang ein.
Nach Auffassung des VVV sollte alles darangesetzt werden, das Wasserspiel – sofern technisch noch möglich – zumindest in eingeschränktem Umfang während des laufenden Sommers zu betreiben. Gleichzeitig müsse unverzüglich ein öffentlicher Planungsprozess beginnen, um eine klima- und stadtbildgerechte Nachfolgelösung zu entwickeln.
Der Verein verweist dabei auch auf die Bedeutung des Wasserspiels für das Leben in der Innenstadt. „Damit fehlt ein Stück Stadtkultur mit spielenden Kindern und entspannt im Gespräch befindlichen Bürgerinnen und Bürgern“, schreibt der VVV. Gerade an heißen Sommertagen sei die Anlage nicht nur ein Anziehungspunkt für Familien gewesen, sondern habe auch zur Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone beigetragen.
Die Stadtverwaltung bewertet die Situation dagegen deutlich nüchterner. In der Sitzungsvorlage für den Rat am 7. Juli empfiehlt sie, das Wasserspiel endgültig außer Betrieb zu nehmen. Als Gründe nennt sie die extreme Störanfälligkeit der Technik, die unverhältnismäßig hohen Unterhaltungskosten und den akuten Reparaturbedarf.
Nach Angaben der Verwaltung wurden seit 2016 mehr als 170.000 Euro für Reparaturen, Fremdleistungen sowie Personal- und Geräteeinsätze des Bauhofs aufgewendet. Kosten für Wasser und Strom sind darin noch nicht enthalten. Allein für eine Wiederinbetriebnahme im Jahr 2026 müssten zunächst die defekten Pumpen repariert oder ersetzt werden. Sollte ein Austausch notwendig werden, rechnet die Stadt mit zusätzlichen Investitionen von rund 10.000 Euro.
„Ein Weiterbetrieb wie bisher würde auch künftig erhebliche Kosten verursachen und ist bei der aktuellen finanziellen Schieflage des städtischen Haushalts kaum mehr vertretbar“, heißt es in der Beschlussvorlage.
Anstelle des bisherigen Wasserspiels schlägt die Verwaltung vor, Fördermöglichkeiten für eine nachhaltige und kostengünstigere Nachfolgelösung zu prüfen. Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes „Brunnen in Lobberich – (Trink-)Wasserstelle in der Innenstadt“ soll gemeinsam mit dem VVV und weiteren Stadtteilakteuren ein neues Konzept entwickelt werden.
Genau an diesem Punkt sieht der VVV jedoch die größte Gefahr. Während der Verein einen sofortigen Planungsprozess fordert, beschränkt sich der Beschlussvorschlag zunächst auf die Prüfung möglicher Fördermittel. Aus Sicht des Vereins könnte zwischen der endgültigen Stilllegung und einer Neugestaltung der Fläche eine längere Zeitspanne liegen – mit der Folge, dass am Eingang der Fußgängerzone auf unbestimmte Zeit eine unattraktive Freifläche zurückbleibt.
Über den Antrag des VVV und die Zukunft des Wasserspiels entscheidet der Rat der Stadt Nettetal in seiner Sitzung am 7. Juli.
Text und Archivbild: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen





