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Wenn Erinnerung neu beseelt


Fotogalerie: Magischer Grenzwald

– Lesetipp: Das eigene Tagebuch –

Von Susanne Jansen

Woran erinnert sich der Mensch im Besonderen, wenn er an die eigene Kindheit denkt? Sind es Bilder oder Gerüche, Melodien oder spontane, tiefe Empfindungen, die aus dem Unterbewussten in die Gewissheit drängen?

Es gibt Augenblicke, da genügt ein einziger Duft, ein altes Lied oder das Knarren einer Tür, um uns in eine Zeit zurückzuversetzen, in der die Welt noch neu war. Für viele von uns ist diese Zeit noch da – sie haben es in Form kindlicher oder jugendlicher Notizen in Tagebüchern aufgeschrieben.

Wer ein solches eigenes „Lebenswerk“ heute aufschlägt, wird nicht nur durch Worte geleitet – er begibt sich auf eine Reise zurück in der Zeit, oder besser zu einem neuen, wesentlich früheren Ausgangspunkt. Plötzlich sitzen wir wieder stolz auf unserem ersten Fahrrad, einem metallisch grünen übrigens, oder die Eltern ziehen das vierjährige Mädchen an den Händen auf den ersten Rollschuhen mit viel Spaß und gemeinsamem Lachen durch den Wohnungsflur – was für ein glücklicher Moment! Hier wird beim Lesen eine Kaskade ausgelöst, eine Flut weiterer abrufbarer Erinnerungen – denn in diesem Alter habe ich selbstverständlich noch nicht meine Memoiren, Gefühle und Gedanken aufgeschrieben.

Das Kind in uns steht für Neugier, Entdeckung, Hoffnung und natürlich manchmal auch für Verletzlichkeit. Wenn wir unsere eigenen frühen Gedanken lesen, begeben sich diese Bilder direkt in Kommunikation mit unserer Seele – ein Tagebuch kann auch Tröster sein! Und beim Lesen werden wir Zeuge eines Teils unserer eigenen, dokumentierten Lebensgeschichte. Gerade im späteren Verlauf des Lebens kann das Wiederentdecken der eigens formulierten Texte kostbar sein. Es erinnert uns daran, wie wir einmal geträumt, gestritten, geliebt und gehofft haben. Wir erkennen Muster, die uns durchs Leben begleitet haben – und durchaus auch, wie viel wir inzwischen gelernt haben.

Also, anstatt den nächsten Bestseller ins Regal zu stellen, empfehle ich einfach mal, die eigenen Tagebücher hervorzukramen und die eigenen „uralten“ schriftlichen Ergüsse von damals neu zu entdecken. Vielleicht erzeugt dies ein Lächeln, manchmal wirkt es aber auch bittersüß, und es kann sich im aktuellen Leben ähnlich kathartisch manifestieren wie bereits zur Kinder- und Jugendzeit, damals, vor vielen Jahren, als sich das eine oder andere durch Kinderhand buchstäblich heilsam von der Seele schrieb.

In diesem Sinne erinnern wir uns nicht nur, wir begegnen uns selbst – neu. Das kann auch sehr lehrreich sein. Denn wir erkennen, wie die Welt sich anfühlte, bevor sie von Routinen, Verpflichtungen und Erwartungen überlagert wurde. So kann das Tagebuch aus der Jugendzeit zu einem Spiegel werden, der nicht nur Vergangenes offenbart, sondern ebenso wertvolle Impulse für die Gegenwart liefert.

Titelbild: Das Leben erzählt Geschichten: Wenn Vergangenheit und Gegenwart sinnlich verschmelzen. Text und Foto: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen

Susanne Jansen

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