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Wie aus Fäden Geschichten werden


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– Brettchengewebte Bänder im Textilmuseum DIE SCHEUNE –

Von Susanne Jansen

Hinsbeck. Zwischen Fachwerk, alten Werkzeugen und dem Duft von Holz und Garn scheint die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen. Im kleinen Textilmuseum DIE SCHEUNE in Nettetal-Hinsbeck wird Geschichte nicht nur ausgestellt – sie wird sichtbar, hörbar und manchmal sogar greifbar. Vom 12. April bis zum 28. Juni 2026 widmet sich eine Ausstellung einer der ältesten textilen Techniken der Welt: dem Brettchenweben. Unter dem Titel „Verdrehte Fäden – schöne Bänder“ zeigt die Weberin Birgit Höffmann, wie aus einfachen Fäden kunstvolle Bänder entstehen.

Das Brettchenweben gehört zu den ältesten bekannten Methoden der Bandherstellung. Schon vor Jahrtausenden wurde diese Technik in weiten Teilen der „alten Welt“ genutzt – von Europa über Asien bis nach Nordafrika. Die Ursprünge liegen im Dunkeln, denn die Materialien, aus denen damals gewebt wurde – Wolle, Tierhaare oder Pflanzenfasern – sind vergänglich. Schätzungen gehen dennoch davon aus, dass diese Form des Webens bereits vor bis zu 6.000 Jahren bekannt war.

Im Kern basiert die Technik auf einem ebenso einfachen wie raffinierten Prinzip: Mehrere Kettfäden werden durch kleine Brettchen geführt und durch deren Drehung miteinander verdrillt. Anschließend werden sie mit einem Schussfaden fixiert. Das Ergebnis ist ein besonders stabiles Band – ursprünglich gedacht als praktisches Bindemittel für Kleidung, Taschen oder Rüstungen. Doch mit farbigen Garnen und unzähligen Drehvarianten entstehen komplexe Muster, die aus einem funktionalen Objekt zugleich ein dekoratives Schmuckstück machen.

Handwerk zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Im Textilmuseum DIE SCHEUNE wird diese jahrtausendealte Technik wieder lebendig. Die Ausstellung zeigt nicht nur fertige Bänder, sondern vermittelt auch Einblicke in das Handwerk selbst. Besucher begegnen hier der spannenden Entwicklungsgeschichte der niederrheinischen Textilmanufaktur: Rohstoffe, historische Werkzeuge, Gewebe, Bücher und Bilder erzählen von einer Zeit, in der Textilherstellung zum Alltag gehörte. Funktionierende Spinngeräte und Handwebstühle lassen erahnen, wie viel Geduld und Geschick hinter jedem Stück Stoff steckt.

Birgit Höffmann beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit dem Brettchenweben. Viele ihrer Muster orientieren sich an historischen Vorbildern – etwa an Funden aus der Keltenzeit. Gleichzeitig entstehen immer wieder eigene Entwürfe und Variationen, die zeigen, dass diese uralte Technik nichts von ihrer kreativen Kraft verloren hat.

Der passende Rahmen für diese Zeitreise ist das Gebäude selbst. Das Museum befindet sich im Baudenkmal „Alt Kämpken“, einem kleinen Fachwerkhof im landschaftlich reizvollen Gebiet der Krickenbecker Seen. Der Hof gilt als charakteristisches Beispiel ländlicher Architektur am Niederrhein – und als stimmungsvoller Ort, an dem textile Traditionen bewahrt werden.

Zur Vernissage wird am Sonntag, 12. April, um 12 Uhr, eingeladen. Geöffnet ist das Museum anschließend bis zum Sonntag, 25. Oktober, an Sonn- und Feiertagen von 11.30 bis 16.30 Uhr.

Wer sich für Handwerk, Historie oder textile Kunst interessiert, findet hier einen Ort, an dem alte Fäden neue Geschichten erzählen.

Text: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen. Foto: DIE SCHEUNE

Susanne Jansen

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