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Nettetal: Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang

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– Gemeinsam statt einsam leben und wohnen –

Susanne Jansen

Kaldenkirchen. Die Idee entstand nach einem Artikel in der Generation Plus, dem Ergänzungsprodukt des GRAF: Leserin Ilse Kutscheidt möchte gemeinsam mit Gleichgesinnten eine Senioren-Wohngemeinschaft ins Leben rufen. Unterstützung erhält sie dabei von der Nettetaler Quartiersmanagerin Nora Faber. Beim dritten Treffen im Hotel Zur Mühle wurde deutlich: Das Interesse an alternativen Wohnformen im Alter ist groß – ebenso wie der Bedarf, viele offene Fragen gemeinsam zu klären.
„Ohne Unterstützung geht gar nichts“, betonte Kutscheidt, die weiterhin Mitstreiter und Interessierte sucht. Nachdem sie ihre Idee öffentlich vorgestellt hatte, meldeten sich zahlreiche Menschen, die sich eine Alternative zum Alleinleben oder zu klassischen Seniorenresidenzen vorstellen können. Gleichzeitig zeigte sich bereits in den ersten Gesprächen, wie unterschiedlich die Wünsche und Bedürfnisse der Beteiligten sind, resümierte Faber.

Gemeinsam Herausforderungen meistern

Für die Quartiersmanagerin ist genau das ein wichtiger Teil des Prozesses. „Der erste Schritt ist, sich die Idee konkret vorzustellen und zu überlegen, wie sie umgesetzt werden könnte“, erklärte sie. Viele Teilnehmer hätten zunächst ein eher romantisches Bild einer Senioren-WG vor Augen gehabt: gemeinsam kochen, den Garten pflegen und den Alltag miteinander gestalten. „Erst durch die intensive Auseinandersetzung mit praktischen Fragen wurde deutlich, welche Herausforderungen tatsächlich auf unsere Gruppe zukommen.“

Dabei gehe es unter anderem um die passende Immobilie, die Größe der Zimmer, barrierefreie Sanitäranlagen und die Frage, wie viel persönlicher Hausrat in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt mitgenommen werden könne. „Manche haben in ihrer Euphorie zunächst nicht bedacht, dass sie sich von einem Teil ihres bisherigen Besitzes trennen müssen oder ihr großes Eigenheim gegen deutlich weniger Wohnfläche eintauschen“, erläuterte Faber.

Auch Kaldenkirchens Ortsvorsteherin Claudia Willers nahm an dem Treffen teil. Aus ihrer Erfahrung wisse sie, wie wichtig altersgerechtes und barrierefreies Wohnen sei – insbesondere für Menschen, die auch im Alter in ihrem Heimatort bleiben möchten.

Für Kutscheidt geht die Initiative weit über ein Einzelprojekt hinaus: „Wir sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Viele Menschen stehen irgendwann vor der Frage, wie sie im Alter leben möchten, ohne zu vereinsamen.“ Themen wie finanzielle Sicherheit, Rentenhöhe, Unterstützung im Alltag oder mögliche Altersarmut werden künftig immer mehr Menschen beschäftigen.

Ein Projekt mit vielen Facetten

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es sich um ein vielschichtiges Vorhaben handelt. Bevor über konkrete Immobilien entschieden werden könne, müssten zunächst die eigenen Vorstellungen geschärft werden: Soll das künftige Zuhause zentral in einer lebendigen Ortslage mit kurzen Wegen liegen oder eher im ländlichen Raum mit stärkerem Gemeinschaftscharakter? Einigkeit bestand darüber, dass persönliche Bedürfnisse möglichst früh und realistisch definiert werden sollten, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

Während der Diskussion rückte das Hotel Zur Mühle als möglicher Standort in den Fokus. Die vorhandene Struktur mit eigenen Bädern und Gemeinschaftsflächen wurde dabei als großer Vorteil gesehen. Diskutiert wurde unter anderem, ob neben einem gemeinsamen Wohn- und Küchenbereich ein zusätzlicher Raum für Besuche von Angehörigen sinnvoll wäre. Hier gingen die Meinungen auseinander: Einerseits soll das Projekt bezahlbar bleiben, andererseits genügend Raum für individuelle Bedürfnisse bieten. Zusätzliche Flächen müssten jedoch einen echten Mehrwert schaffen und wirtschaftlich vertretbar sein.

Manfred Schmacks, Eigentümer des Hotels Zur Mühle, verfolgt die Entwicklung des Projekts mit großem Interesse. Der gebürtige Kaldenkirchener stellte das Gebäude als mögliche Option für eine Senioren-Wohngemeinschaft vor. In der Vergangenheit habe es bereits Überlegungen gegeben, das Haus beispielsweise an Studierende der Fontys Hochschule in Venlo zu vermieten. Nachdem er von der Idee einer Senioren-WG erfahren hatte, brachte er das Hotel als möglichen Standort in die Diskussion ein.

Selbstbestimmung im Mittelpunkt
Neben der Suche nach einer geeigneten Immobilie wurden auch zahlreiche organisatorische und rechtliche Fragen angesprochen. Dazu zählen Versicherungen, die rechtliche Struktur einer Wohngemeinschaft sowie der Umgang mit einer zu erwartenden Fluktuation innerhalb eines solchen Wohnprojekts.

Ralf Kurzweg, Leiter der BIS Selbsthilfe Kreis Viersen, brachte die Idee ein, die Aktienbau Viersen als möglichen Partner zu gewinnen. „Ich halte eine Umsetzung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus mit einem professionellen Träger für denkbar.“ Andere Teilnehmer sahen diesen Ansatz kritisch, da dadurch Einfluss und Selbstbestimmung der Bewohner eingeschränkt werden könnten.

Willers machte deutlich, dass ein solches Projekt langfristig nicht allein von einer Interessengemeinschaft organisiert und verwaltet werden könne. „Aufgaben wie Hausverwaltung, Finanzen oder technische Betreuung brauchen professionelle Strukturen. Deshalb ist es sinnvoll, die Baugesellschaft Nettetal oder andere Partner frühzeitig einzubeziehen.“

Kommunalpolitikerin Renate Dyck ergänzte: „Wir könnten Vertreter zu einer der nächsten Versammlungen einladen, um über konkrete Möglichkeiten der Unterstützung und Finanzierung zu sprechen.“ Dabei verwies sie auf das bereits erfolgreich etablierte „Modell Gütersloh“, in dem gemeinschaftliche Wohnformen für Senioren seit Jahren umgesetzt werden. „Von einem Erfahrungsaustausch mit den Verantwortlichen können wir mit Sicherheit profitieren.“

Kurzweg zog ein positives Zwischenfazit: „Die Treffen bieten uns einen fortlaufenden Entwicklungsprozess. Unterschiedliche Ideen und Perspektiven – und damit auch weitere Interessenten und Ideengeber – sind ausdrücklich willkommen.“

Auch Faber zeigte sich zufrieden mit der bisherigen Entwicklung: „Wir sehen, dass jede Lösung Vor- und Nachteile mit sich bringt. Gleichzeitig entwickeln wir neue Ideen und knüpfen Kontakte für einen wertvollen Erfahrungsaustausch. Nun gilt es, konkreter zu werden, mögliche Partner einzubinden und eine realistische Perspektive für die Umsetzung des Projekts zu entwickeln.“

Weitere Informationen: nora.faber@deutscher-orden.de.

Text und Titelbild: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen

Susanne Jansen

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