– Wie sinnliche Naturerlebnisse den Blick verändern –
Von Susanne Jansen
Lobberich. Ich welche Richtung will ich, und was kommt nach der Schule? Für viele ist diese Frage nicht leicht zu beantworten. Studium, Ausbildung – oder zur Orientierung erstmal Dinge ausprobieren? Genau an diesem Punkt stand auch Elena Alonso-Davien als sie das Abitur absolvierte. Ohne festen Plan, aber mit Neugier, hat sie sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) entschieden – und damit für ein Abenteuer, das sich als außerordentlich spannend und lehrreich entpuppte.
Eigentlich fing alles ganz pragmatisch an: zwei Wochen Bildungsurlaub während der Schulzeit, einfach mal „reinschnuppern“ in den Naturschutz. Kein großer Masterplan, eher ein spontanes Ausprobieren. „Das hat mich so fasziniert, dass ich mich für das Freiwillige Ökologische Jahr, hier im Naturschutzhof entschlossen habe, um dann zu sehen, wie es weiter geht.“
Was begeistert sie besonders?
„Die Arbeit mit Kindern macht mir viel Spaß. Das Organisieren zuvor, mich in die Themen reinhängen, um die es geht, wie den Molch oder die Schmetterlinge oder Vogelarten. Dabei lerne ich selbst noch jede Menge, und sehe die Natur plötzlich mit neuen Augen!“
So plant sie unter anderem regelmäßig Veranstaltungen für die beiden Kindergruppen. Dabei greift sie auf vorhandenes Material zurück, entwickelt aber auch eigene Ideen und sie recherchiert selbst. „Es geht aber nicht nur darum, etwas zu lernen und Wissen zu vermitteln“, versichert sie strahlend, „sondern auch um Verantwortung und Selbstverwirklichung. Ich merke, dass diese Dinge gut mein Selbstvertrauen sind.“
Elenas Alltag spielt sich dabei überwiegend draußen ab. „Unkraut entfernen, Obst pflücken – und das ist durchaus keine leichte Arbeit – und das Gelände pflegen. Im Winter kann es dann natürlich auch schon mal unangenehm kalt werden. Aber das gehört alles dazu!“, versichert sie lächelnd. „Und wenn es wieder wärmer wird und alles aufblüht, dann freut man sich und erlebt das mit diesen Erfahrungen noch intensiver.“
Kreativität probieren und leben
Dazu kommen besonders kreative Erlebnisse. „Das ist eine schöne Bereicherung: Ich habe gelernt, wie man ein Vogelhaus baut und jede Menge Weidenkränze als Osterdeko geflochten. Und das, was von der Apfelernte übrigblieb, habe ich zu Kompott verarbeitet. Lecker! Das werde ich demnächst auch zu Hause machen.“
Trotz aller positiven Erfahrungen ist für sie klar: „Es war eine tolle Zeit. Aber beruflich werde ich doch einen anderen Weg einschlagen. Ich weiß jetzt, wo die Reise hingehen wird.“ So hat sie nicht nur bereits Bewerbungen geschrieben, sondern auch schon Vorstellungsgespräche geführt. „Das Freiwillige Soziale Jahr ist definitiv ein Pluspunkt, es zeigt das persönliche Engagement. Zudem kann es, wenn man es braucht, als praktischer Teil für das Fachabitur angerechnet werden.“
Ihr habe diese Zeit eine neue Perspektive eröffnet. „Ich bin ja auch noch nicht fertig“, sagt sie schmunzelnd, „wer einmal selbst in der Natur gearbeitet hat, sieht alles mit anderen Augen, einfacher intensiver. Und man verstehe auch, warum regionale Produkte so wichtig sind und erkennt die ökologischen Zusammenhänge, vieles wird greifbarer. Ich kann es nur jedem empfehlen!“
Orientierungshilfe und Abenteuer
„Seit Mitte der 90er Jahre bieten wir FÖJ-Stellen an. In der Regel starten die Freiwilligen im August. Teilnehmen können Jugendliche ab 16 Jahren“, erklärt Wiebke Esmann. Ziel sei es, Natur nicht nur theoretisch zu erklären, sondern sie mit allen Sinnen erlebbar zu machen: sehen, hören, riechen, schmecken – und selbst aktiv werden.
„Für junge Menschen, die noch nicht wissen, wohin ihr Weg führen soll, kann das FÖJ genau das Richtige sein. Es ist kein verlorenes Jahr, sondern eine Zeit voller Erfahrungen. Und es hilft zu erkennen, was man kann, was man will und vielleicht auch was man eben nicht will!“, betont die NABU-Leiterin lächelnd.
Wer sich für das Freiwillige ökologische Jahr interessiert und sich direkt anmelden möchte, erhält hier Informationen und Kontakt: https://www.foej.lvr.de/.
Weitere Informationen: https://naturschutzhof-nettetal.de/
Text und Titelbild: Für sie es ein Lebensraum mit Sinnhaftigkeit und Abenteuer: Elena Alonso-Davien und Wiebke Esmann. (Fotos: Susanne Jansen)





