– Mit Leidenschaft die neue Kultursaison planen –
Von Susanne Jansen
Lobberich. Bankkaufmann und Schauspieler, zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch vereint Ullrich Matthaeus beides in Personalunion. Der gebürtige Norddeutsche, der nach Stationen in Bremen schließlich in München an einer Schauspielschule landete, hat seinen beruflichen Weg nie streng geplant. „Einen roten Faden habe ich bisher nicht gefunden; es ist wohl Schicksal und hat sich einfach so ergeben“, stellt der neue Leiter der NetteKultur mit einem Schmunzeln fest.
Heute ist der 56-Jährige in der Kulturszene bestens vernetzt. So hat er über die Jahre in verschiedenen Theatergruppen, Tourneetheatern und Projekten mitgewirkt und zahlreiche Künstler kennengelernt. Diese Kontakte sind wichtig bei seinem Einsatz für die NetteKultur und die kommenden Spielzeiten, die schon jetzt große Vorfreude wecken.
Auch wenn noch nicht alle Termine für die Werner-Jaeger-Halle endgültig bestätigt sind, steht bereits fest: Das Publikum darf sich auf große Namen freuen. So wird Kabarettist Christoph Sieber auf der Bühne stehen, ebenso die Schauspieler Alexandra Kamp und Ingolf Lück. Ein besonderes musikalisches Highlight verspricht der Auftritt des Streicherquartetts LA FINESSE zu werden: Die Musikerinnen spannen den Bogen von klassischer Musik bis hin zu Rocklegenden wie AC/DC.
Geplant sind unter anderem ein Jazzabend, eine großartige Opernaufführung mit moderner Note, ein Travestieabend sowie ein Konzert mit Jan Plewka, dem Sänger der Band Selig, „der gemeinsam mit seiner Band einen Abend rund um die Musik von Simon & Garfunkel gestaltet.“ Auch ein Live-Podcast auf der Bühne ist vorgesehen. Ebenso werde das Buch “Deutschlandmärchen” von Nettetaler Dinçer Güçyeter aufgeführt werden, jedoch nicht von ihm selbst inszeniert. „Es wird bunt, überraschend und lebendig, in der Werner-Jaeger-Halle“, verspricht Matthaeus lächelnd.
Ein besonderes Anliegen ist es dem neuen Leiter der NetteKultur, Kinder und Jugendliche für Live-Veranstaltungen im Theater zu begeistern, fernab von TikTok, Instagram und Konsorten. Es sollen verstärkt Schulveranstaltungen angeboten werden. „Wenn das Theater direkt im Schulalltag stattfindet, fällt die Hemmschwelle, sich darauf einzulassen“, erklärt Jan van der Velden, Pressesprecher der Stadtverwaltung Nettetal. Er versichert: „Wir wollen die Eintrittspreise für das Kinder- und Jugendtheater, die bisher bei fünf Euro liegen, weiterhin fair halten. So können auch Familien mit geringerem Einkommen teilhaben.“
Noch ist die Werner-Jaeger-Halle eine Baustelle, die Sanierung soll bis 2026 abgeschlossen sein. Dann wird die traditionsreiche Spielstätte wieder erstrahlen, mit modernster Technik, einem neuen Dach, verbesserten Künstlerräumen, barrierefreiem Zugang und einem Aufzug. Mit rund 500 Plätzen wird das Theater Raum für kulturelle Erlebnisse bieten. Für kleinere Veranstaltungen, mit überschaubarer Zuschauerzahl, wird unter anderem die Kaldenkirchener Kulturaula erhalten bleiben. In dem neuen Theater jedoch werden nicht nur Veranstaltungen der NetteKultur stattfinden: Externe Arrangeure und Nettetaler Gruppen sollen die Räume in Form von Vermietung und Verpachtung ebenfalls nutzen können.
„Wir wollen die Halle mit Leben füllen, und zwar dauerhaft“, betont van der Velden strahlend. „Es sind im Laufe der Zeit immense Kosten entstanden. Aber es lohnt sich. Die Leute werden begeistert sein!“ Das Foyer zum Beispiel wurde bewusst erweitert, um den Raum in der Tiefe zu öffnen, mehr Licht hereinzulassen und den Bereich weiterhin für Ausstellungen und kulturelle Nutzung als Galerie attraktiver zu machen. Zudem sei Matthaeus dafür offen, auch Open-Air-Projekte auf öffentlichen Plätzen und weitere Veranstaltungen an variablen Orten unterstützen. „Da sage ich nicht nein!“
Er ist überzeugt: In Zeiten von Streaming-Diensten habe Live-Kultur nach wie vor ihren besonderen Reiz. „Wenn wir ein gutes Programm anbieten, kommen die Menschen. Denn das Erlebnis, einem Künstler aus Fleisch und Blut auf der Bühne gegenüberzusitzen, lustige Momente durch Interaktion und Improvisation zu erleben – das ist durch nichts zu ersetzen!“ Das ganze Team der NetteKultur freue sich bereits auf die neue Spielzeit: „Wir sitzen in den Startlöchern und beobachten, wie sich die Atmosphäre entwickelt. Unser ganzes Team brennt dafür, die Halle wieder mit Leben zu füllen!“
Titelbild: Plant passioniert die neue Spielzeit der NetteKultur: Ullrich Matthaeus. Foto: Susanne Jansen





