Speeddating für Interessengleichheit


– Lernen mit Spaß, um berufliche Perspektiven zu schaffen –

Von Susanne Jansen

Hinsbeck. „Wir bieten keine offiziellen Integrationskurse, machen die Menschen aber im Rahmen unseres Ehrenamtes sprachlich für den Alltag fit, unterstützen sie beim Schreiben von Lebensläufen und geben Tipps für Vorstellungsgespräche“, sagt Jutta Schmitz strahlend. „Die Menschen möchten sich gerne weiter einbringen und in unserer Gesellschaft sozial und beruflich integrieren. Das ist bei den Frauen und Kindern bereits überwiegend geschehen. Mittlerweile sind auch viele Männer zu ihren Familien nach Deutschland gekommen, weil es für die Familien in der Ukraine häufig keine Perspektiven mehr gibt“, ergänzt Ralf Schröder (beide Förderverein Flüchtlingshilfe Nettetal).

Um berufliche Perspektiven zu bieten, präsentieren Schmitz und Schröder eine großartige Idee – sie planen ein integratives Speeddating für Arbeitgeber und Geflüchtete, mit gezieltem Blick auf Interessengleichheit. Zur Vorbereitung erfolge das Lernen der Sprache in didaktisch aufbereiteten Sprachkursen, und gespielt werde dabei auch. „Das erhöht den Spaßfaktor, fernab vom Trainingscharakter“, weiß die Hinsbeckerin aus Erfahrung. Natürlich sei es für einen Beruf ebenso wichtig, die Fachsprache zu lernen. Zudem werde in Deutschland die vorhandene berufliche Qualifikation eines Ukrainers nicht grundsätzlich anerkannt. „Deshalb wollen wir eine Brücke schlagen und suchen Arbeitgeber, die bereit sind, den Geflüchteten eine Chance zu geben und ein wenig in Kauf zu nehmen, dass es am Anfang wegen der Sprache etwas holpriger sein kann und auch schon mal Missverständnisse entstehen können.“

Das so genannte Speeddating soll jeweils in allen Nettetaler Ortsteilen stattfinden, geplant sind natürlich Veranstaltungen mit möglichst vielen Arbeitgebern. Im Vorfeld werden Angebot und Nachfrage sowie berufliche Fähigkeiten, das Kontingent möglicher Arbeitsstunden und der räumliche Radius bestimmt. „Ein Ideal wäre hier jeweils das Zustandekommen eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses oder eines Praktikums. Eventuell mit der Option, gelegentlich mal nachzuhaken, ob es gut funktioniert“, so Schröder. „Um noch dazu im deutschen Behördendschungel mit seinen ganzen Formalien zurecht zu kommen, haben wir einen ehrenamtlichen Unterstützer, der früher beim Jobcenter gearbeitet hat. Exzellente Vernetzung und die Hilfe Freiwilliger sind immer Gold wert bilden einen wichtigen Kompass!“, weiß der Hinsbecker aus Erfahrung.

„Die Stadtverwaltung unterstützt uns auch ordentlich, indem sie Räumlichkeiten mit Medien zur Verfügung stellt. Außerdem ist die Stimmung in Nettetal insgesamt sehr ruhig. Es gibt immer mal Kleinigkeiten, aber da braucht man nicht auf die Nationalität zu gucken; und hier herrscht eine gute Atmosphäre, anders als unter Umständen in anderen Kommunen“, resümiert der Ehrenamtler zufrieden. Auch der Rotary-Club Viersen-Schwalm-Nette gehört zum Netzwerk der Flüchtlingshilfe und schätze die freiwillige Arbeit. „Wir werden in der nächsten Zeit alle Quellen anzapfen, um unsere Arbeit und unsere Ideen auch noch mal deutlich zu präsentieren.“

Weitere Informationen: info@fluechtlingshilfe-nettetal.de

Text und Titelbild: Emsig im Einsatz für stabile Integration: Ralf Schröder und Jutta Schmitz. Foto: Medienagentur Niederrhein, Susanne Jansen

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